Flucht ins Jenseits

 

EXIT, der Verein für humanes Sterben in der Schweiz, wurde 1982 gegründet. Er zählt (Stand April 2016) über 100’000 Mitglieder und immer mehr Menschen nehmen diesen Dienst in Anspruch.
720 Menschen wählten im Jahr 2016 auf diese Weise den Freitod, weil sie in Würde sterben wollten. Das stimmt nachdenklich. Man wünscht sich in Würde selbstbestimmt zu sterben?

Auch wenn ich mich vor 10 Jahren noch vehement dagegen gewehrt hätte auf diese Weise aus dem Leben zu gehen, so kann ich aber immer mehr nachvollziehen, wie es zu so einer Entscheidung kommt. In einer Gesellschaft die in ihrer Habgier fast nur noch egoistisch auf Konsum ausgerichtet ist, unter chronischem Zeitmangel leidet und in der man sich Menschlichkeit und Liebe „nicht mehr leisten kann“, zählt der Mensch als Mensch nicht mehr. Das Tempo, arbeiten und konsumieren zu „müssen“ ist vorgegeben, man wird getrieben und mit jedem Jahr ist eine Zunahme dieser Beschleunigung festzustellen. Gesund ist das nicht.

In vielen westlichen Ländern ist das so, weil Wirtschaftlichkeit und Gewinnmaximierung oberste Priorität haben. Das sind die Länder, die in der Rangliste der Wohlstandsländer ganz oben stehen und in die so viele wollen, wenn sie sich arm und benachteiligt fühlen.
Die Schweiz steht als Einwanderungsland ganz weit oben. Über 80% der ausländischen Bevölkerung stammt aus europäischen Ländern. Also nicht die Ärmsten der Armen finden hier Zuflucht, sondern die Lebensstandardsoptimierer. Zwar werden in den letzten Jahren von ausländischen Mitbewohnern auch Stimmen laut, dass es in der Schweiz einfach zu teuer ist, grau und kalt, und man aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten ja doch nichts auf die Seite legen könne, weshalb einige nach vielen Jahren wieder in ihre Heimatländer zurück kehren wollen. Aber noch glauben viele, die Schweiz ist das Land wo Milch und Honig fliesst und der Wohlstand auf den Bäumen wächst, vor allem jene die über keine „Schweizerfahrung“ verfügen.

Milch und Honig fliesst, wenn überhaupt, nicht von allein, und den Wohlstand muss man sich hart erarbeiten, wenn man es denn schafft, weil man trotz vermeintlich besserem Lohn als anderswo aufgrund von hohen Lebenshaltungskosten nichts auf die hohe Kante legen kann. Für Wohnen, ein Grundbedürfnis des Menschen, muss man hierzulande tief in die Tasche greifen, sowohl als Mieter wie auch als (Schein-)Eigentümer, denn das Eigentum gehört meist der Bank. Wohneigentum ist Luxus. Wer es sich dennoch leisten will, muss mit einer zusätzlichen Steuerbelastung rechnen (Eigenmietwert), ausser er handelt wirtschaftlich im Sinne der Banken und belastet sein Eigentum mit Hypotheken.

Wirtschaftlich muss der Mensch sein. Arbeiten und Leisten muss er können. Zu konsumieren muss er in der Lage sein, dann ist er willkommen. Alles andere schadet offensichtlich dem Image eines reichen Landes. Man müsste nämlich annehmen, dass grad ein reiches Land es sich leisten könnte, auch jenen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, die nichts mehr zum Image des Wohlstandslandes beitragen können, und zwar nicht nur im Sinne einer materiellen Grundexistenz sondern auch in der Würde als Mensch. Doch da kommt wohl jene Gesinnung die zum Wohlstand führt (Gier), dem in die Quere was Menschlichkeit bedeuten würde.

Wer in der Schweiz, wegen Krankheit oder Alter finanziell in Bedrängnis kommt, spürt mehr als anderswo, dass er nicht mehr in die Gesellschaft passt. Das Gefälle zwischen arm und reich ist in einem der reichsten Länder der Welt seelisch und körperlich besonders schmerzlich zu spüren. In einem so angesehenen Vorzeigewohlstandsland arm zu sein, ist härter als anderswo. Der Mensch hat primär der Wirtschaft und dem Staat zu dienen und nur als solcher eine Daseinsberechtigung, und wer Arbeit hat wird ausgepresst bis zu letzten Stunde. Wer keine Arbeit hat wird mit allen Massnahmen dazu getrieben, dass er wieder einsetzbar ist und somit wirtschaftlich. Schafft er das nicht, wird er schikaniert. Wer in die Knie geht, krank ist, definitiv nicht mehr kann und um Rente ansucht wird bespitzelt, zermürbt und schlecht geredet.

Was nicht wirtschaftlich ist, ist wertlos und so wird es auch behandelt. Wenn man zusätzlich noch nicht gewillt ist, sich behandeln zu lassen und die unzähligen oft qualvollen Wiederherstellungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, die oft nutzlos sind, aber wenigstens noch für den Wirtschaftszweig Medizin lukrativ, wodurch aber im besten Fall noch ein Rest an Leistungsfähigkeit aus einem heraus gepresst werden kann bevor man stirbt, steht man ganz schlecht da.

Kein Wunder ist EXIT nicht die einzige legale Institution in der Schweiz, bei der man sich ohne grosses Wenn und Aber und würdevoll ins Jenseits befördern kann. Ist es würdevoll so zu sterben? Ist das die Würde in einem Wohlstandsland? Zwar kommt man bei EXIT noch relativ günstig davon, doch all diese Sterbehilfeorganisationen sind die Folge der zunehmenden Infragestellung der Daseinsberechtigung des Menschen als Mensch. Wenn man sich die Würde nicht mehr erarbeiten kann, dann wird einem hierzulande ganz offiziell und relativ unbürokratisch gewährt, diesem unwürdigen Zustand freiwillig und selbstbestimmt ein Ende zu bereiten.

Wie Flüchtlinge die Geld an Schlepper bezahlen, weil sie ihnen helfen der Hölle des Krieges oder der Armut zu entrinnen, sind Sterbehilfeorganisationen die Fluchthilfe der Wohlstandsländer. Wer sich von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlt, nicht mehr wertvoll, unnütz, unbrauchbar im Sinne von wirtschaftlich, weil er aufgrund von Krankheit oder Alter nicht mehr leisten kann und unfähig ist, dem Leistungsdruck standzuhalten und die Geringschätzung auszuhalten, verzweifelt am Gedanken, nur noch als Unkostenfaktor und Belastung gesehen zu werden. Um dieser Hölle und Schande zu entrinnen, entschliesst er sich, sofern er es sich leisten kann, die Schlepper ins Jenseits zu bezahlen, die ihm ein sanftes Entschlafen auf der letzten Reise offerieren.

So flüchten denn die Flüchtlinge aus ärmeren Ländern vor barbarischen Zuständen um dem Tod zu entrinnen, in dem sie auf ein „besseres Leben“ in jenen Ländern hoffen, aus denen die Menschen, vor einem menschenunwürdigen Leben in der nur noch Wirtschaftlichkeit und Leistung zählt, in den Tod flüchten.

Man ertappt sich selbst oft bei der Überlegung, ob es denn nicht sinnvoller wäre, einen Vertrag mit Exit abzuschliessen, als weiterhin die extrem hohen Krankenkassenprämien zu bezahlen, denn die Lieblosigkeit in unserer Gesellschaft, der ständige Leistungsdruck und das eingehämmerte und verinnerlichte „wirtschaftlich sein bis in den Tod“ gefährdet unsere Gesundheit massiv, kann auch tödlich sein und ist wohl der Hauptgrund für Suizide und erweiterten Selbstmord. Da nützt es auch nichts, wenn man versichert ist.  Aber das alles will wohl niemand wahr haben.

_____

Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen, heisst es in Art. 7 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Trotzdem wird der Mensch als Individuum in Frage gestellt, wenn er in Not gerät und sich die Rechtsgleichheit „Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung (Art. 8) nicht mehr erarbeiten kann.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde den Menschen vor Diskriminierung schützen und seine Daseinsberechtigung in keiner Lebenslage in Frage stellen. So könnte man der Scheinheiligkeit, dass die Würde des Menschen geachtet und geschützt wird endlich ein Ende setzen und auch dem Art. 8 der Rechtsgleichheit wäre Genüge getan.

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Veröffentlicht in BGE

MCS – Eine Krankheit, viele Gesichter

Multiple Chemikalien Sensitivität bzw. multiple chemical sensitivity
Klassifikation: WHO-ICD-10: T78.4
Allergien, nicht näher bezeichnet;
Kapitel 19 –Verletzungen, Vergiftungen

 

Konsenskriterien seit 1987
1. Die Symptome treten nach Chemikalienexposition reproduzierbar auf.
2. Das Beschwerdebild ist chronisch.
3. Das Beschwerdebild wird bereits durch niedrige zuvor tolerierte Konzentrationen, die allgemein gut vertragen werden, hervorgerufen.
4. Die Beschwerden bessern sich bzw. verschwinden nach Elimination des Agens.
5. Reaktionen treten gegenüber zahlreichen, chemisch nicht verwandten Substanzen auf.
6. Die Symptomatik umfasst zahlreiche Organsysteme. Für die Ätiologie sind immunologische und nichtimmunologische Pathomechanismen bekannt.

Links zu Betroffenenberichten – Zeitungsartikel

Maria Frühling/Deutschland
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.multiple-chemikaliensensibilitaet-wenn-der-koerper-amok-laeuft.71537506-dbdc-4d21-8dc3-fceb325ceb2a.html

Dirk Kabel/Deutschland
http://m.abendblatt.de/region/norderstedt/article108605405/Der-Leidensweg-eines-MCS-Kranken.html

Dirk Kabel/10 Jahre später
http://m.abendblatt.de/region/norderstedt/article134267428/Koerperlich-ein-Wrack-doch-der-Lebenswille-ist-ungebrochen.html

Anne Brill/Deutschland
http://www.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-kranke-frau-in-koblenz-sucht-dringend-unterstuetzung-_arid,1080981.html

Lennard/Deutschland
http://www.tagblatt.de/Nachrichten/19-jaehriger-Tuebinger-leidet-unter-chronischer-Erkrankung-an-chemischen-Schadstoffen-300189.html

Anonym/Frau aus Kempten/Deutschland
http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Wenn-Leuchtstifte-krank-machen;art2757,719919

Aida Infante/Deutschland
http://www.sueddeutsche.de/reise/flugverkehr-gift-in-der-luft-ex-stewardess-fliegen-nur-noch-mit-sauerstoffzelt-1.988179

Lorena Axt/Deutschland
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Lorena-Axt-fluechtet-vor-Alltags-Giften-in-den-Rastenberger-Wald-1286357515

http://www.bild.de/bild-plus/regional/leipzig/krankheiten/ich-kann-nur-auf-dem-dachboden-leben-45796162,var=x,view=conversionToLogin.bild.html

Christian Schifferle/Schweiz
http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelwissen/d-126791026.html
https://www.ktipp.ch/artikel/d/flucht-vor-plastik-und-parfuem/

Silvia Nordt/Deutschland
http://www.bild.de/news/leserreporter/seltene-krankheiten/mcs-chemikaliensensibilitaet-25591554.bild.html

Marlene Winands/Deutschland
http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Marlene-Winands-62-aus-Wangen-leidet-an-Multipler-Chemikaliensensibilitaet-MCS;art26090,1830111

Gerd Höht/Deutschland
http://www.aussichten-online.de/hoeht.html

Nina Trentmann/Deutschland
https://www.welt.de/gesundheit/article13735176/Wenn-Daempfe-und-Duefte-zur-Tortur-werden.html

Cindy Duehring/USA
http://www.scinexx.de/dossier-detail-47-14.html

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=7821

Carina Steyer
http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=7821

Monika Hohlmaier/Deutschland/Vergiftung mit Quecksilber
https://www.merkur.de/politik/raetselhafte-vergiftung-bei-hohlmeier-aerztin-rettete-mir-leben-6987321.html

Astrid Falk
http://www.tagblatt.ch/altdaten/tagblatt-alt/tagblattheute/sg/region/tb-sr/art770,184729

http://www.news.ch/Ein+Leben+auf+der+Flucht/472272/detail.htm

Jochen Steinhilber/Deutschland
http://www.gea.de/region+reutlingen/tuebingen/umweltgifte+leben+im+vergifteten+koerper.4725242.htm

http://www.fussball.de/newsdetail/erkrankter-kicker-stars-helfen-steinhilber/-/article-id/138557#!/section/news-detail

Christine Schneider/März 2003/Schweiz
https://www.ktipp.ch/artikel/d/flucht-in-den-tod/

Theres Pfister/Schweiz/Dezember 2001
https://www.ktipp.ch/artikel/d/chemikalien-empfindlichkeit-ich-blickte-dem-tod-ins-auge/

Johanna Watkins/USA/Januar 2017
http://www.bild.de/news/ausland/allergie/ich-bin-allergisch-gegen-meinen-mann-49806704.bild.html

Mike Bier
http://www.mainpost.de/regional/rhoengrabfeld/Behandlungen-Krankheiten-Toxizitaet-Unterebersbach;art765,9390573

Links zu Videos/Fernsehbeiträgen mit Betroffenen

Nano 2010

Dr. Tereh/MCS-Wohnbaugenossenschaft
http://www.srf.ch/news/schweiz/wo-sich-umweltkranke-wohlfuehlen

Akte 06

ZDF/2011

Antje Schürmann/Frühstücksfernsehen Sat 1/2012
http://www.sat1.ch/tv/fruehstuecksfernsehen/video/chemische-hoelle-clip

2010/Top News

Lorena Axt/Frühstücksfernsehen Sat 1/2017

http://www.sat1.ch/tv/fruehstuecksfernsehen/video/1-allergie-wenn-ein-leben-nicht-mehr-moeglich-ist-clip?utm_source=facebook&utm_medium=social&utm_term=social_onsite&utm_campaign=sat1.de&utm_content=share_video_bottom

Britta Finstel/5.2.2017
http://rtlnord.de/nachrichten/chemikalienunvertraeglichkeit.html

Caroline Müller/Schweiz
http://www.srf.ch/play/tv/quer/video/multiple-chemikalien-sensitivitaet-krank-und-einsam?id=4646636b-4322-4eb5-9487-41f4ad526b1a

Marie Theres Stettler/Schweiz/2004
http://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/duefte-koennen-krank-machen?id=b75ba3e4-b38a-484e-a10c-fd52e19573a3

Astrid Falk/Schweiz/2008
http://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/mcs-opfer?id=d5f64452-cc8b-4517-8efe-17e4fb753f91

Von der Aussichtslosigkeit in den Tod

Gedenkseite MCS-Betroffene
http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=52327

http://www.mcs-infogate.de/memory/zum-gedenken

 

März 2017

Nutztier Mensch

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Nutztiere haben in unserer Gesellschaft die Bedeutung, dass sie leben dürfen, weil sie uns einen Nutzen bringen.

Das heisst, am Beispiel einer Kuh: Man bietet ihr ein Dach über dem Kopf, sie wird gefüttert und oft bekommt sie auch ein Minimum an Auslauf und Pflege. Sie bringt Kälber auf die Welt, damit sie Milch produziert, die wir trinken oder anderweitig verwenden. Die Kälber werden geschlachtet. Ihr Fleisch findet Verwendung, ihre Haut auch. Eine gute Milchkuh wird solange gedeckt und gemolken, bis aus ihr nichts mehr rauszuholen ist. Dann ist sie wertlos, d.h. zu nichts mehr nütze, wird ebenfalls geschlachtet und alles von ihr verwertet.
So war die Kuh von Geburt an dem Menschen zu was nütze und hatte ihre Berechtigung.

Wie sieht der Mensch in dieser Gesellschaft sein Leben, im Vergleich zum Leben einer Kuh?

Du kommst meist nicht mehr auf die Welt, weil Du aus Liebe gezeugt wurdest, sondern als Statussymbol:
„ICH HABE ein Kind!!!“. Dann wirst Du brav erzogen, damit Du den Eltern Freude machst und auch bei anderen „gut rüber kommst“. Du wirst auf Leistung getrimmt, weil Du ja zu was nütze sein sollst, d.h. Du musst viel lernen, damit Du viel weisst; brauchst eine gute Ausbildung, damit Du eine gute Stelle bekommst, in der Du dann gut verdienst.
Du wirst „Liebe und Anerkennung“ erfahren, so lange Du leistest. So dienst Du schlussendlich dem Staat (Du zahlst Steuern) und der Wirtschaft, die Dein Wissen und Deine Leistung braucht, wofür Du zwar honoriert wirst, was Du dann aber der Wirtschaft wieder zurück gibst, weil Du konsumierst. Du musst konsumieren, wenn Du Erfolg haben und mithalten willst. Du suchst Dir einen Partner, produzierst wieder neue Steuerzahler und Konsumenten, damit die Wirtschaft und der Staat weiter von Dir profitierten. So bist Du zu etwas nütze und leistest Deinen Beitrag zur leistungs- und konsumorientierten Gesellschaft. Du bekommst natürlich auch Auslauf und Pflege, in dem Dir Dein Einkommen gewisse Annehmlichkeiten ermöglicht, die aber zeitlich begrenzt sind (Ferien) und für die Du immer weniger Zeit hast (Hobbies, eigene Interessen), weil Du immer mehr dafür tun musst; denn grundsätzlich sollst Du ja nicht leben, sondern arbeiten und zu etwas nütze sein. Und die Aussichten, dass Du nach einem arbeitsreichen Leben irgendwann in den wohlverdienten Ruhestand gehen kannst, bzw. dass Du ihn erlebst, sind gering, weil das Rentenalter immer höher angesetzt wird.

Wieso ich das schreibe?
Obwohl es uns angeblich immer besser geht, erfahren immer mehr Menschen, nämlich dann, wenn sie alt und krank sind und nicht mehr leisten können, dass sie eigentlich nur NUTZMENSCHEN waren.
Der Unterschied zum Nutztier Kuh ist, dass der Mensch nicht geschlachtet werden darf, wenn er zu nichts mehr nütze ist. Darin unterscheidet der homo sapiens zwischen Nutztier und Nutzmensch; muss er auch, alles andere wäre moralisch verwerflich.

Statt einer Schlachtung aber, hat sich die Gesellschaft, die dieses System geschaffen hat, eine ganz andere Lösung ausgedacht.  Der Alte und Kranke und zu nichts mehr nütze Mensch, wird ähnlich einem Stierkampf auf ein Schlachtfeld (Kampf mit Versicherungen, Behörden und Ämtern) geführt, auf dem er dann, oft auch zur Schau gestellt, einen aussichtslosen Kampf führen „darf“, gegen ein System, in dem der noch funktionierende und deshalb in der Rangordnung höher gestellte, weil wertvollere Mensch, in seiner Willkür noch einmal alle Register zieht. So wird der zu nichts mehr nütze Mensch provoziert, verletzt, verwundet und ausgeblutet, denn Sinn und Zweck des Nutzmenschen ist es, möglichst nichts für ihn auszugeben, aber möglichst viel aus ihm heraus zu holen. Dies geschieht dann bis zu seinem Tod. Wenn das keine Schlachtung ist?

Nach dem Stierkampf stirbt der Stier, so oder so, auch wenn er gewinnt, ausser, es findet sich ein Tierfreund der ihn rettet. Nach dem Kampf mit dem System, wenn er ihn überlebt, geht der nutzlose Nutzmensch, meist an Würde verletzt aus dem Funktionssystem heraus und wird an den Rand der Gesellschaft gestellt. Oder aber, es findet sich ein Menschenfreund, der ihn rettet, was selten vorkommt, weil der noch funktionierende Nutzmensch keine Zeit hat für Menschlichkeit, muss er doch selbst aufpassen nicht aufs Schlachtfeld geführt zu werden.

Mahatma Gandhi hat gesagt:
„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.“

Wenn man die Grösse und den moralischen Fortschritt eines Landes daran misst, wie es seine Alten und Kranken behandelt, dann müsste einem schon lange bewusst geworden sein, dass das System, dem wir täglich mit unserem vollen Einsatz dienen, menschlich und moralisch komplett versagt.
Niemand käme jedoch auf die Idee, seinen Wert als Mensch zu hinterfragen, solange er noch funktioniert. Damit muss man sich erst befassen, wenn man für die Familie, die Gesellschaft, den Staat und die Wirtschaft nutzlos geworden ist, und dann wird der Nutzmensch nicht selten erfahren, dass er nur leben durfte und seine Berechtigung hatte, solange er zu etwas nütze war.

BGE für mehr Menschlichkeit, weil MCS Menschen in Notlagen bringt

SOZIAL IST NICHT, dem Menschen in einer Notlage
unter bestimmten Bedingungen und entwürdigenden Massnahmen,
finanzielle Hilfe zu gewähren.
SOZIAL KANN NUR SEIN, jedem einzelnen Menschen
mit einem bedingungslosen Grundeinkommen,
eine bedingungslose Grundexistenz zu gewähren.
(AFS)

Diesen privaten Aufruf habe ich im April an meine Bekannten per Mail verschickt.

Am 21. April 2012 startet die Volksinitiative für das Bedingungslose Grundeinkommen. Ich möchte Euch bitten, informiert Euch zu diesem Thema und sammelt Unterschriften.

http://www.grundeinkommen.ch/

Ich möchte aus meiner Sicht beschreiben, was das BGE für mich bedeuten würde.

Ich bin ein empathischer und intelligenter Mensch mit einer guten Ausbildung, vielen Fähigkeiten, Talenten, langjähriger Berufserfahrung und besten Referenzen. Aus gesundheitlichen Gründen bin ich für die Wirtschaft uninteressant geworden. Sozialversicherungen fühlen sich nicht verantwortlich, berufliche Institutionen können mir nicht helfen und sämtliche Beratungsstellen fühlen sich mit meiner Problematik überfordert. Schlussendlich werde ich mit Bergen von Akten beim Sozialamt landen mit dem wirtschaftlichen „Prädikat“ wertlos, weil in der Gesellschaft wertlos ist, wer nicht mehr leisten kann.

Ich habe die letzten Wochen oft gedacht, ich würde mir wünschen, dass mich jemand einfach nur dafür bezahlt, das es mich gibt, weil ich trotz allem ein wertvoller Mensch bin, der auf seine Weise immer noch etwas zum Gemeinwohl beiträgt und vor seiner Erkrankung viele Jahre dazu beigetragen hat. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre für viele auch ein bedingungsloses Gnadenbrot und  würde dem Menschen die bedingungslose Grundexistenz sichern, was mir und vielen anderen in der gleichen Situation signalisieren würde, trotz allem eine berechtigte Existenz in dieser Gesellschaft zu haben. Ich bin überzeugt davon, dass das gute Energien freisetzen würde. Denn der Kampf mit Sozialämtern, Sozialversicherungsanstalten, Behörden und Ämtern; der Kampf beweisen zu müssen, dass man in eine Notlage geraten ist und das daraufhin beginnende Betteln um Hilfe zur Grundexistenz, ist entwürdigend und zermürbend. Es schadet der Gesellschaft und der Gesundheit. Es demoralisiert die Bedürftigen und kann nicht als Hilfe zur Selbsthilfe sondern nur als Hilfe zur Selbstaufgabe bezeichnet werden. Ich würde sogar behaupten, dass das jetzige Verfahren sich nicht an die Präambel der Bundesverfassung hält, in der es am Schluss heisst:  „ … und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen … :“ Es kann in diesem reichen Land zumindest nicht von einem seelischen WOHL der Schwachen die Rede sein. Es ist ein UNWOHL, das der Moral schadet und somit auch der Gesellschaft.

Diese nachfolgende Rede habe ich heute auf Facebook entdeckt und war berührt … (Video)

http://www.grundeinkommen.ch/gewerkschaft-fur-das-bedingungslose-grundeinkommen/

Veröffentlicht in BGE