Duldung, Widerstand oder Hoffnung

„Wer Unrecht duldet, stärkt es“

Das hat Willy Brandt gesagt, und es stand auf dem Socialmedia Profil einer Freundin, die ich persönlich über viele Jahre kannte. Die Massnahmen im Zuge der Coronapandemie haben uns entfreundet. Ich hätte es nie gedacht. Wir sind wohl daran gescheitert, dass ich das Unrecht, das jetzt passiert, nicht dulden wollte und sie es geduldet hat. Ich habe ihr eine Diskussion angeboten. Sie wollte nicht, stattdessen hat sie gemeint, sie müsse mich aufgrund meiner Meinung massregeln. Das habe ich nicht vertragen.

Letzthin dachte ich einmal, das kommt dann schon wieder, wenn das alles vorbei ist. Dann aber, weil sie in meiner Heimat ganz im Osten wohnt und zwischen uns nicht nur die Distanz, sondern auch eine Grenze liegt, die ständig droht für immer zuzugehen, bzw. die man dann irgendwann nur noch unter Einhaltung gewisser Bedingungen passieren kann, denke ich, vielleicht sehen wir uns nie mehr wieder. Das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen.

Als Umwelterkrankte kann ich mich nicht impfen lassen. Nur schon die Zusatzstoffe in den angebotenen Impfstoffen wären für mich tödlich. Vom wenig erprobten Wirkstoff will ich gar nicht reden. Fakt ist, ich lasse das nicht in meinen Körper. Wie soll er, der ausgestattet ist mit einem „von Natur aus“ überschiessenden Immunsystem, damit noch klar kommen? Da die Tests mit denen der Nachweis einer Infektion erbracht wird ebenso fragwürdig sind und ohne klinische Diagnose nicht aussagekräftig, was ja mittlerweile sogar die WHO so einräumt, lasse ich mich, wenn ich gesund bin auch nicht testen. Spucktest vielleicht, Bluttest auch. Aber ganz sicher keinen Schnelltest, der mal so kurz beim Grenzübertritt oder behördlich angeordnet wird, der für mich in der Art der Ausführung ein körperlicher Eingriff ist. No way.

Nun denn, es ist also ohnehin fraglich, ob ich meine Heimat irgendwann einmal wieder besuchen kann. Die rasante Entwicklung in Richtung dressierter und folgsamer Menschen, die alle durchgeimpft werden sollen; dass Atteste von persönlichen Vertrauensärzten nicht mehr anerkannt werden und künftig wohl der Amtsarzt nach kurzem Augenschein, quasi nach Handgelenk mal Pi mit Daumen hoch oder runter entscheidet was geht und was nicht, behagt mir nicht. Ich werde wohl in Zukunft auf noch mehr verzichten müssen, als ich es aufgrund der schweren Krankheit MCS und weiterer Diagnosen, bis anhin bereits musste.

Viele Jahre freiwillige Isolationshaft mit kontrolliertem Freigang haben mir zumindest noch ein bisschen selbstbestimmtes würdevolles Leben ermöglicht. Es war meine Entscheidung, was ich mir wann und wie oft zumute, und ganz alleine ich musste es verantworten, wie ich dann mit den Nebenwirkungen umgehe, denn ein Arzt, Notarzt oder Spital kann mir bei den Beschwerden die ein Auslöser verursacht ohnehin nicht helfen. Da half all die Jahre nur beten und Gottvertrauen und die Hoffnung, dass in meinem Lebensdrehbuch der mir bestimmte Zeitpunkt meines Ablebens doch noch ein paar Jahre entfernt ist. Jetzt wird die Isolationshaft für mich zum Gefängnis. Einkaufen kann ich aufgrund der vielen Desinfektionsmitteldämpfe die überall in der Luft hängen kaum noch. Der Freigang wird jetzt auch noch staatlich geregelt und überwacht. Mein Bewegungsradius ist kleiner geworden, damit kann ich ja grad noch umgehen, muss ich wohl, aber die Ungerechtigkeit die täglich passiert und die schweren Menschenrechtsbrüche unter dem Deckmantel „Schutz der Bevölkerung“ gehen mir unter die Haut. Ich kann dieses Unrecht einfach nicht ertragen.

Als jemand, der die letzten Jahre viele medizinische Fachberichte wohl oder übel lesen musste, weil zu Beginn meiner Krankheit niemand wusste, was es genau ist, habe ich mehr medizinisch auf dem Schirm als so manch anderer und erkenne auch viele Ungereimtheiten, auch wenn man mir das selten zugesteht, denn in der Gesellschaft ist allgemein die Meinung vorherrschend, wer krank ist und manchmal auf Unterstützung angewiesen, sei auch dumm, bzw. er muss dankbar sein, wenn man ihm hilft, und da getraut er sich dann noch eine eigene Meinung zu haben? Und da ich auch noch ein paar Jahre in einer Anwaltskanzlei gearbeitet habe, die im Patientenrecht tätig war, habe ich erlebt wie gross die Macht der Medizin und der Pharma ist, und wie klein das Unglück der Patienten gemacht wird, wenn es darum geht, Fehler einzugestehen. Nun denn, ich kann einfach nicht anders, als kritisch zu sein und zu hinterfragen.

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“

Diesen Satz hört man die letzte Zeit sehr oft. Und ja, wieso sollte man das Unrecht dulden, wenn man es dadurch stärkt? Also braucht es Widerstand! Wie sonst würde man kundtun, dass man das Unrecht nicht duldet?
Egal mit wem ich die letzten Tage gesprochen habe, ich spüre, dass die Menschen zwischen Duldung und Widerstand schwanken. Es ist oft eine innere Zerreissprobe. Die einen zucken mit den Achseln und meinen man könne ja eh nichts gegen „die da oben“ tun, die anderen ereifern sich und sind wild entschlossen auf die Strasse zu gehen. Sie wollen kämpfen. Sie wollen ihren Mund aufmachen, sie wollen sich die Meinung nicht verbieten lassen.

Als eine, die immer ausgewogen den Mittelweg sucht, weil ich Extreme nicht vertrage, verstehe ich beide Seiten, und doch bin ich oft versucht den Duldern zuzurufen: „Werdet endlich aktiv! Bewegt euch von der Couch weg“, während ich den Kämpfern manchmal zurufen möchte: „Fahrt einen Gang runter, ihr provoziert nur und das wollen sie ja“ …

Es ist schwierig. Ich würde mir wünschen, wir müssten uns überhaupt nicht mehr gegen Übergriffigkeiten des Systems wehren. Wir taten es schon vor Corona ständig. Es verging und vergeht ja fast kein Tag, an dem ich nicht über Facebook oder per Mail aufgefordert werde, mitzumachen bei Referenden/Petitionen, weil sich irgend jemand entschlossen hat, gegen irgend ein Unrecht vorzugehen, gegen das man vorgehen muss, weil die Menschheit, die Tiere oder die Umwelt Schaden erleiden.

Ich würde mir wünschen, es wäre selbstverständlich Menschen zu nichts zu zwingen, Entscheidungen so ausgewogen zu treffen, dass der Schaden so gering wie möglich ist bzw. nicht grösser als der Nutzen, nicht über Bedürfnisse anderer hinweg zu entscheiden, Fehler zuzugeben, wenn man sie begangen hat; ich würde mir wünschen, dass alle Entscheidungen die getroffen werden, unter denen wir leiden, belegbar sind, transparent, nachvollziehbar und nicht widersprüchlich und unter Angst- und Panikmache durchgepeitscht werden. Dass da viele Dinge passieren, wo auch viel Geld im Spiel ist und deshalb oft nicht mit offenen Karten gespielt wird, entgeht dem der nicht alles glaubt nun mal nicht.

Ich würde mir wünschen, mein Bauchgefühl würde sich nicht so oft melden, weil es da Ungereimtheiten vermutet, die nicht einmal mehr auf Dummheit beruhen, sondern auf reine Berechnung (oder soll ich es besser Bosheit nennen) gegenüber der Biomasse Mensch; eine Biomasse, die für ein paar Wenige nur noch einen Wert hat, wenn sie funktioniert, wie von oben befohlen.

Leider bin ich auch in Bezug auf Intrigen, Manipulation und Lügengeschichten in meinem Leben durch eine harte Schule gegangen. Auch da musste ich mich „weiterbilden“, um zu verstehen warum ein Mensch tut was er tut und was er damit bezweckt.

Ich konnte Unrecht von klein auf nie ertragen. Manipulationen, Getratsche und Intrigen waren mir immer zuwider. Ich habe die Konfrontation nie gescheut und ständig alles hinterfragt. Jemand der mir ehrlich ins Gesicht sagt, dass ich „eine dumme Kuh bin und warum“, war mir immer schon lieber, als jemand, der mir ständig Honig um den Mund schmiert und hinter meinem Rücken Dreck schleudert. Ich dachte ich müsste gegen das Unrecht ankämpfen, immer und immer wieder. Es hat mich müde gemacht. Ich habe irgendwann aufgegeben. Du kannst nicht gewinnen, wenn der andere die Spielregeln nicht einmal kennt, die du gewissenhaft einhältst. Und die Spielregeln von Anstand, Würde und Respekt dem anderen gegenüber hält in dieser Gesellschaft kaum noch jemand ein. Jeder ist sich selbst der Nächste, vor allem wenn es darum geht, seine eigene Haut zu retten.

Lange dachte ich auch, aufgrund meines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns, ich wäre eine gute Anwältin geworden. Die Jahre bei den verschiedenen Anwälten haben mich aber eines Besseren belehrt. Recht haben und Recht bekommen ist nicht das Gleiche. So ist es denn wohl gut, dass ich diesen Beruf nie gewählt habe. Ich würde nur noch Dienst nach Vorschrift machen und es würde mich wohl kaum erfüllen, so zu arbeiten. Ich hätte mich daran selbst zerstört, weil ich nicht bereit gewesen wäre, das Spiel mitzuspielen, in dem es nicht um das Recht an sich geht, sondern darum wer mehr Macht hat.

So dulde ich das, was ich glaube ohnehin nicht ändern zu können, weil es übermächtig ist, denn David gegen Goliath kann ich schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Mein Widerstand beschränkt sich einzig nur noch auf das, bei dem ich glaube vielleicht ein bisschen was verändern oder mitgestalten zu können. Es gab einmal eine Zeit, da hätte ich mein Leben für Gerechtigkeit gegeben. Jetzt weiss ich, dass „für Etwas von ganzem Herzen einstehen“ auch tödlich enden kann. Ich habe noch eine Aufgabe zu erfüllen. Ich kann mir das jetzt noch nicht leisten.

Ich verstehe sowohl die Dulder, wie auch die Kämpfer. Jeder soll das tun, was für ihn Sinn macht.
Die Kämpfer aber haben meinen grössten Respekt. Sie tun es nicht nur für sich, sie tun es für alle, und ich würde mir wünschen, dass sie dafür wenigstens nicht noch niedergeknüppelt werden, von einem System, dass sich weit davon entfernt hat, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen.

„Auf der Wiese der Hoffnung weiden viele Narren“

Habe ich noch Hoffnung? Es gibt Menschen, die wollen versuchen mir zu erklären, dass das jetzt der ganz grosse Umbruch ist und dass die Menschheit sich in eine bessere wandelt, und dass wir in ein paar Jahren erst die Früchte unserer Bemühungen ernten werden, wenn wir jetzt geduldig sind, in der Ruhe und der Liebe bleiben.

Dazu kann ich aus meiner ganz persönlichen Lockdown Erfahrung als MCS Betroffene, der jetzt jegliche, aber wirklich jegliche Perspektive auf ein besseres Leben in naher Zukunft, nämlich so, dass ich es noch erlebe, genommen wurde, nur eines sagen. Vor Corona sagte ich: „MCS heisst Isolationshaft mit kontrolliertem Freigang“. Das war für viele schon schlimm genug zu hören. Ich sah darin aber eine Herausforderung, aus meiner Situation das Beste zu machen und da war noch die Hoffnung, dass ich immer mehr in dieses „normale“ Leben da draussen reinschnuppern kann.
Nun haben wir einen staatlich verordneten Lockdown. Da ist jedes „eigenmächtige Handeln“ der Bürger stark eingeschränkt und das macht den Unterschied, auch in meiner Situation: ICH habe MEINEN FREIGANG KONTROLLIERT und nicht die Regierung!!! Und deshalb ist es jetzt für mich nicht mehr eine persönliche Herausforderung in der es auf mich drauf ankommt wie ich das meistere, sondern mir werden noch mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen und dadurch wird es zur ständigen Behinderung und gleichzeitig zur Bedrohung. Denn das was jetzt geschieht hat mich noch abhängiger gemacht von einem System, das sich schon vor Corona wenig um den vulnerablen Teil der Bevölkerung gekümmert hat.

So werde ich mich einfach weiter nur noch bemühen, jeden Tag den Kraftakt zu vollbringen, zwischen Dulden, Widerstand und Hoffnung den Rest meines Lebens noch einigermassen lebenswert zu gestalten.