Corona Virus oder Krieg?

 

Bild: Grenzübergang Gaissau (A)/Rheineck (CH) am 6. April 2020

Ich kenne diesen Grenzübergang seit ich 12 Jahre alt bin. Das sind jetzt 48 Jahre!
Da standen viele Jahre Zöllner. Damals. Wenn man die Grenze passieren wollte, hat man seinen Ausweis gezeigt, vielleicht ab und zu mal die Frage: „Haben sie etwas zu Verzollen?“ beantwortet. Aber nie sah es dort so aus wie heute!
Als Österreicherin, die als Kind in die Schweiz kam war das Überfahren dieser Grenze immer etwas Besonderes. Es war mir damals schon klar, dass ich jetzt von meiner Heimat abgetrennt war, in Form einer staatlichen Linie, die ich nur überqueren konnte, wenn ich mich ausgewiesen habe und die sich fortan mitten durch mein Herz zog. Das war ein beklemmendes Gefühl, das mich lange begleitet hat. Ich hatte von da an kein barrierefreies Leben mehr. Da war etwas zwischen mir, meinem neuen Leben und meiner Heimat, meinen Verwandten und meinen Ahnen. Staatsgrenze! Lange Zeit war es dort sehr streng, sehr amtlich, aber nie war es unmöglich in meine Heimat zu gelangen.
Als Kind machten mir die Zöllner grossen Eindruck. Sie hatten immerhin das Recht mich zu kontrollieren, wenn ich nach Österreich wollte. Und ich wollte ja nur das! Es gab nur einen Grund die Grenze zu passieren: Zuhause zu sein, meine Liebsten zu sehen, die dort geblieben sind. Dieser besondere Moment des Überschreitens der Grenze hat sich in mir manifestiert.

Irgendwann war Österreich in der EU und die Schweiz wollte nicht mitmachen. Es änderte sich nichts. Die Grenze blieb, die Zöllner auch. Ausweisen und rüber fahren. So waren die Grenzbestimmungen. Dann wurden diese im Zuge des Schengenabkommens gelockert und es standen nur noch sporadisch Zöllner dort, oft tagelang keiner. Die Linie zwischen der Schweiz und Österreich verblasste immer mehr, je öfter ich sie überquerte und je einfacher es wurde. Ich war frei, zwischen dem Land zu wandern in dem ich aufgewachsen bin und meinen Lebensmittelpunkt geschaffen hatte, und dem Land, das mir ins Herz gelegt wurde und in dem noch ein Grossteil meiner Verwandten wohnt. Und trotzdem, dieses innerliche Aufatmen, wenn ich heimatlichen Boden unter den Füssen spürte, blieb.

Nie; nicht während dem Ausbruch der Schreckenskrankheit Aids, verursacht durch das HIV Virus; nicht während der Schweinegrippe, wo man uns Millionen von Toten prophezeit hat; nicht während der Vogelgrippe; keine noch so schwere Grippewelle mit mehr Toten, als das Corona Virus bis jetzt gefordert hat oder auch ein schrecklicher Terroranschlag, der global zu einer Angstlähmung geführt hat, hat die Grenze so aussehen lassen.
Ein solch markant sichtbares Zeichen: „Du darfst hier nicht rein!“ habe ich in diesen 48 Jahren noch nie erlebt! Die strengen, nicht durchdachten, nicht zwischen den europäischen Ländern abgesprochenen Forderungen an die Staatsbürger, machen ein Ein- und wieder Ausreisen hier und an vielen Grenzen innerhalb Europas schier unmöglich. Es ist logistisch und praktisch nicht durchführbar.

Jahrelang wurde uns die grenzenlose Freiheit der europäischen Gemeinschaft schmackhaft gemacht. Wer ein Gegner war, wurde nicht selten als engstirnig, altväterisch und/oder manchmal sogar als Nazi bezeichnet. Und weiter wurde die Werbetrommel für die EU gerührt, und die Vorteile wurden uns wie Butter aufs Brot geschmiert, und jeder hat die Freiheiten genutzt. Hüben wie drüben.
Und dann passiert was sich niemand hätte vorstellen können, quasi von einem Tag auf den anderen. Die Grenze ist dicht! Der Grenzverkehr zwischen Österreich und der Schweiz ist jetzt schwerer als damals, als es noch keine EU gab und die Schweiz nicht im Schengenabkommen war. Das ist irgendwie surreal. Als hätte mich die Vergangenheit eingeholt. Nein, schlimmer noch, als würden die Kriegstraumata meiner Eltern und Grosseltern in mir aufschreien und sagen: „Das ist Krieg!“.

War das wirklich notwendig, in Anbetracht dessen, dass der Berufs- und Warenverkehr weiterhin ohne Einschränkungen rollen kann? Die drastischen Massnahmen in Bezug auf Familien, welche die kleinste Zelle des Staates bilden und deshalb schützenswert sind, im Sinne von „Gemeinsamkeit macht stark“, was in einem gesunden System ebenso systemrelevant ist wie die Grundversorgung, muten nicht nur seltsam an, sie erinnern an die Separierungen in den Konzentrationslagern. Familien wurden getrennt, in kleine Teile “zerhackt”, auf diese Weise seelisch zermürbt und anschliessend getrennt voneinander zur Zwangsarbeit gezwungen, eingesperrt oder vergast.

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Frühling im Jahr 2020. Zur Erinnerung, wir leben nicht erst seit gestern in der EU und im Schengenraum. Unzählige Menschen in ganz Europa, sind von ihren Liebsten, ihren Partnern, Eltern, Kindern, Verwandten getrennt. 
Die Menschen wurden mit der Freizügigkeit geködert und sitzen jetzt in der Falle.
In Grenzregionen, wo der Alltag der Menschen fliessend über die Landesgrenzen stattfand und so selbstverständlich wie das tägliche Brot zum Leben gehörten, hat dieser Eingriff in die Bewegungsfreiheit besondere Auswirkungen. 

In der Verordnung zum Schengener Grenzkodex steht wohl geschrieben, dass im Fall von ausserordentlichen Umständen die Grenzkontrollen wieder eingeführt werden können, nicht aber, auch nicht „im Kleingedruckten“, dass es soweit kommen könnte, dass einem die Einreise verweigert oder massiv erschwert wird. Das ist meines Erachtens ein massiver Rechtsbruch. 
https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EU)_2016/399_(Schengener_Grenzkodex)

Die Coronakrise hat gezeigt, was die EU wert ist. Sie dient in allererster Linie der Wirtschaft, der Macht und dem Geld, und ganz am Schluss steht der Mensch, seine Rechte und seine Bedürfnisse. Im Zuge der Coronamassnahmen wurden die Grundrechte ausgehebelt! Erschreckend, wie viele Menschen das einfach so hingenommen haben, aus Angst vor einer Covid 19 Erkrankung. Der Schutz der Bevölkerung kann nie und nimmer ohne das Einhalten der Grundrechte geschehen! 

Gedanken zum Grundrecht in Zeiten von Corona, zusammengefasst in diesem Video.
https://www.youtube.com/watch?v=yV96n2Zljl4&t=18s