Inklusion statt Observation – für eine menschliche Schweiz und gegen den Überwachungsstaat

Abstimmung Überwachungsgesetz der Sozialversicherungen vom 25. November 2018

Statt den Versicherten und Antragsstellern mit Misstrauen und Argwohn zu begegnen, immer noch mehr und mit noch schärferen Massnahmen auf diese drauf zu hauen, für Gutachter und Observierer Millionenbeiträge auszugeben und damit weitere Versicherungsgelder zu verschleudern, könnte die IV ihre Eingliederungsmassnahmen einfach einmal ernsthaft überdenken und erweitern. Man könnte die Millionenbeträge dafür einsetzen, dass chronisch kranke Menschen, Menschen mit einem psychischen Leiden und körperlich Gebrechliche, eine Chance auf Arbeit haben.
Die meisten dieser Menschen könnten nämlich unter Umständen einer Tätigkeit nachgehen, wenn auf ihre Krankheit oder Behinderung Rücksicht genommen würde.

Es gibt soziale Einrichtungen wie z.B. das Humanus Haus. Dort können Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen arbeiten. Sie werden dort nicht als Behinderte, sondern als Menschen mit besonderen Bedürfnissen bezeichnet, und auf diese Bedürfnisse wird besonders Rücksicht genommen. Das ermöglicht diesen Menschen, trotz ihrer Behinderung, in welcher Form auch immer sich diese äussert, einer Arbeit nachzugehen, wodurch sie sich wertvoll und gebraucht fühlen. Der Witz ist leider, und das ist leider kein Witz, dass dort nur eine Arbeit bekommt bzw. arbeiten darf, wer eine IV-Rente bekommt. Will heissen, ein Mensch der eine IV-Rente bekommt, bekommt dort auch eine Arbeit. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man über dieses Paradoxon lachen.

Ein chronisch kranker Mensch, der gerne arbeiten würde, wird vom RAV irgendwann als nicht vermittelbar eingestuft, weil er für den Arbeitgeber ein zu grosses Risiko darstellt. Auch die IV schafft es nicht, diesem Missstand mit den üblichen Eingliederungsmassnahmen Rechnung zu tragen, denn sie orientiert sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft und nicht an dem „besonderen Bedürfnis“ des kranken Menschen, der einen Antrag auf Rente stellt. Auf dem normalen Arbeitsmarkt hat ein Mensch mit einer chronischen oder seltenen Krankheit schlicht und einfach keine Chance mehr, vor allem dann nicht, wenn auch noch ein zu hohes Alter dazu kommt.

Also könnte doch mit dem vielen Geld das in diesem Rentenverhinderungsverfahren verschleudert wird (in welchem nur die IV-Angestellten, die Gutachter und die Observierer profitieren, aber in den wenigsten Fällen die Versicherten), eine Institution gegründet werden, in der Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, eine Anstellung finden. So könnte man wahrscheinlich viele Renten verhindern.
Das wäre eine Perspektive für beide Seiten. Das wäre Motivation. Das wäre Innovation. Das wäre sozial. Das wäre Inklusion, würdevoll und im Respekt gegenüber einem Menschen, dem man, egal wie krank oder behindert er ist oder welches Gebrechen er hat, die Möglichkeit gewährt, seinen Lebensunterhalt unter Rücksichtnahme auf seine Bedürfnisse und in einem geschützten Rahmen selbst erarbeiten zu können, ohne Opfer des Billiglohnsektors zu werden und ohne Missbrauch seines Status der Behinderung.

Was für eine sinnvolle Geldanlage unserer Versicherungsgelder das doch wäre, und es würde zudem das böse Blut im Volk in Bezug auf Schmarotzer, Simulanten und „fuule Sieche“ in gute Energie umwandeln und nicht diese Hetze weiter schüren.

Die Idee ist so einfach. Leider, und das ist wahrscheinlich der Haken an der Sache, wird die IV eine solche Innovation im Bereich der Wiedereingliederung kaum in Erwägung ziehen. Sie würde sich ja ins eigene Fleisch schneiden, denn auf diese Weise gingen bei ihr selbst und ihren lukrativen Filialen (Gutachter und Observierer) ziemlich viele Arbeitsstellen verloren.

Der ganze Hype im Rentendrama, mit der nun geforderten Überwachung von Versicherten, die mit der Abstimmung am 25. November 2018 gesetzlich verankert werden soll, dient einmal mehr nur dem Wirtschaftszweig „Rentenverfahren“, um dort neue Arbeitsplätze zu schaffen, nicht aber den Versicherten.

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