MCS-Betroffene sind die Rosen unter den Reben

Schon mal durch einen Weingarten spaziert? Die Rosenstöcke beachtet, die dort zwischen die Reben oder am Ende einer Reihe von Reben gepflanzt wurden? Sie sind nicht nur schön anzusehen, sie haben auch eine Funktion.
Rosen reagieren um Einiges empfindlicher als Reben und sind deshalb anfälliger für Krankheiten. Sie dienen dem Winzer als Frühwarnsystem. Sind sie gesund, ist alles in Ordnung. Sind sie krank und haben z.B. Mehltau, wird den Reben vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt.
„Man“ ist in Alarmbereitschaft um präventiv handeln zu können. Der Winzer weiss die Überempfindlichkeit der Rosen zu schätzen und daraus einen Vorteil zu ziehen.
http://grüneliebe.de/rosen-und-weinreben-die-perfekte-kombination/

Ein anderes Beispiel.
Früher wurden Kanarienvögel in Käfigen mit unter Tage genommen. Sie dienten als Gradmesser für die Luftqualität im Stollen. Auch hier hat sich der Mensch die Empfindlichkeit von Lebewesen zu Nutze gemacht, und die Befindlichkeit der kleinen gelben Vögel unter extremen Bedingungen sehr ernst genommen. Kippten diese von der Stange, wussten die Arbeiter, dass die Luft so schlecht ist, dass es Zeit war, den Stollen zu verlassen. Ignoranz oder das Verhalten der Tiere zu missachten, wäre tödlich gewesen.

Was haben die Rosen in den Reben und die Kanarienvögel unter Tage mit MCS zu tun?

MCS heisst multiple chemical sensitivity. Menschen, die an dieser Umweltkrankheit leiden, reagieren früher als andere auf geringste Spuren von Chemikalien oder Schadstoffen mit schweren körperlichen Symptomen. Man könnte auch sagen, das empfindliche Gleichgewicht in ihrem Körper reagiert bei geringster Belastung, dies vor allem oft auch deshalb, weil die Bedingungen in der Umwelt schon ziemlich prekär sind. Handelt der von dieser MCS, auch Umwelterkrankung genannt, Betroffene nicht umgehend auf die ersten Symptome, kann es schwerwiegende Folgen haben.

Weltweit gibt es mittlerweile Millionen die mit zunehmender Intensität unter solchen Symptomen leiden. Es werden immer mehr und doch sind es offensichtlich noch viel zu wenige, um dem Thema endlich die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Die Menschen erkranken, neben ihren etwas robusteren Zeitgenossen, bekommen von Umweltgiften schwere körperliche Beschwerden und kippen oft förmlich von der Stange und, ja, und das ist leider eine traurige Tatsache, kann die Überbelastung des Körpers schon Mal zu einem multiplen Organversagen führen.
Doch kaum jemanden scheint das zu interessieren. Im Gegenteil. Oft werden solche Menschen mitleidig als „überempfindlich“ bezeichnet.
In den westlichen Ländern werden hochsensible Menschen als minderwertig gesehen, geringschätzig betrachtet und als „zu schwach“ bezeichnet. In anderen vor allem in den östlichen Kulturen, wie z.B. in China werden sie hoch geschätzt. Auszug aus nachfolgendem Link:
„In den meisten Kulturen, so die Psychologin Elaine Aron, hatten sensible Menschen ihren angestammten Platz, waren sie die eine von zwei Führungsklassen. In alten Zeiten waren sie Priester oder königliche Berater, während die anderen sich als Herrscher und Krieger hervortaten. Heute aber, so Aaron weiter, „erobern in den westlichen Kulturen die Nichtsensiblen immer mehr Terrain.“ In China etwa wird den Hochsensiblen Schülern höchste Achtung entgegengebracht, während sie in Kanada ganz unten in der Hierarchie der Schulklasse stehen. Für das Verdrängen der Hochsensiblen bezahlt jede Gesellschaft früher oder später einen hohen Preis.“
https://www.visionsschmiede.ch/images/coaching/hochsensibilitaet-hsp.pdf

In Amerika und den englischsprechenden Ländern werden Umwelterkrankte sehr oft auch Canaries genannt, weil sie als Frühwarnsystem gesehen werden. Sie sagen allen anderen Menschen etwas ganz Wichtiges.

Der Winzer inspiziert die Rosen, reagiert auf deren Symptome und handelt. Er kann es sich nicht leisten, so lange zu warten, bis alle Rosenstöcke mit Mehltau befallen sind.
Der Stollenarbeiter achtet auf den Kanarienvogel und seine Befindlichkeit, und handelt, um sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen.
Wann handelt die Politik und die Medizin ernsthaft auf die Umweltkrankheit MCS?
Wie lange müssen wir darauf noch warten?

Jedes Jahr im Mai, melden sich MCS-Betroffene, also die Rosen und Kanarienvögel unter den Menschen, wieder vermehrt, um über die Krankheit MCS aufzuklären. Denn die Erfahrungen von Umwelterkrankten mit Umweltgiften nicht ernst zu nehmen, zu belächeln oder zu missachten, kann die Gesundheit aller gefährden. Das weiss man schon seit 1948, als Dr. Theron Randolph entdeckt hat, dass nicht die Lebensmittel „Allergien“ auslösen oder nicht vertragen werden, sondern die Chemie, mit denen diese behandelt werden.
http://www.blog.dr-merz.com/?p=218

Wenn das empfindliche Gleichgewicht in der Umwelt und im Menschen gestört ist, dann sollte das alle anderen Menschen in Alarmbereitschaft setzen.

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