zu alt, zu krank, zu anstrengend = wertlos?

Allen die glauben, über Sozialhilfeempfänger und Invalidenrentenbezüger herziehen zu müssen sei Folgendes gesagt:

Die Wirtschaftslage hat sich verändert.
Menschlichkeit kann man sich nicht mehr leisten!
Wertvorstellungen haben sich verschoben.

Ich habe in einer Zeit gearbeitet, in der Dienstleistungsbereitschaft, Ehrlichkeit, Pflichtbewusstsein, hohe Einsatzbereitschaft, Loyalität gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten und Freundlichkeit gegenüber den Kunden sehr geschätzt wurde. Das war meine Einstellung zur Arbeit und daran hat sich nichts geändert.
Einzig meine gesundheitlichen Einschränkungen machen mich zum „Risikofaktor“ und uninteressant für den Arbeitsmarkt.

Wenn ich heute so erlebe, was da alles „einen Job hat“ und mit welcher Einstellung dieser oft ausgeführt wird, dann ärgere ich mich darüber, dass ich all meine guten Eigenschaften nun auf dem Sozialamt und bei der Rentenanstalt verschwenden muss, weil ich für die Wirtschaft zu alt, zu anstrengend und zu krank bin, und kein Arbeitgeber bereit war, mir im Hinblick auf meine Fähigkeiten, einen Arbeitsplatz einzurichten, der geeignet gewesen wäre, trotz der körperlichen Einschränkungen einer geregelten Arbeit nachzugehen.

Jetzt muss ich mich mit Versicherungen und Ämtern herumschlagen, deren Mitarbeiter oft nichts anderes tun, als mich in meiner Glaubwürdigkeit prüfen und dabei die vielen Diagnosen von diversen Fachärzten in Frage stellen, weil sie angehalten sind, Renten- oder Unterstützungszahlungen möglichst zu vermeiden.
Versicherungen und Sozialämter sind keine Wohltäter, sondern Kostenträger, die alles daran setzen müssen, die Unkosten so niedrig wie möglich zu halten. Wer glaubt, dass einem dort irgend etwas geschenkt wird, der irrt gewaltig. Bis eine Rente von der Invalidenversicherung gutgesprochen wird, geht man durch diverse Schikanen und Gutachten (es ist kräftezehrend, nervenaufreibend, zermürbend und macht noch kränker) und alles was man vom Sozialamt an Unterstützung bekommt, muss irgendwann zurück bezahlt werden. Man macht dort „nur“ zinsfrei Schulden. Wer glaubt das macht Spass, der war wohl selbst noch nie in einer Situation in der er auf Hilfe angewiesen war.

Wie viel einfacher wäre es, einen Arbeitsplatz zu haben, wo man seine Talente und Fähigkeiten einbringen und sein Wissen anwenden kann, eventuell wohlwollendes Feedback und Anerkennung für seine Leistung bekommt, und dafür noch bezahlt wird.

Wo ein Wille ist, ist nicht immer ein Weg des Arbeitnehmers, wenn man in diesem Willen, auf die Bereitschaft
und den Willen des Arbeitgebers angewiesen ist.

Denkt bitte daran, bevor ihr ein Urteil fällt!

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