Umweltverschmutzung – Verursacher, Schadensmanager und Opfer

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Zwei Beispiele:

Im Gemeindeblatt meines Wohnortes war kürzlich zu lesen, dass Rückstände von Medikamenten, Chemikalien aus Textilien, Waschmitteln, Kosmetika, Farben usw. in unserem Trinkwasser zu finden sind und diese trotz moderner Kläranlage nicht mehr gefiltert werden können. Die geringen aber dennoch nachweisbaren Spuren im Nanobereich seien für die Natur und Umwelt „mit teils noch unbekannten Nachteilen“ (Zitat) belastend, und weiter steht: „Diese Mikroverunreinigungen entfalten ihre möglichen toxischen Effekte auf Gewässerorganismen meist langfristig, quasi schleichend …“
Später in diesem Artikel wird eine Aufrüstung der bereits sehr modernen Kläranlage vorgeschlagen, was ca. 20 Millionen Schweizer Franken kosten würde. Zur Finanzierung dieses Betrages, die zu einem grossen Teil vom Bund übernommen wird (Steuerzahler) wird eine Abwasserabgabe von 9 Franken pro Einwohner und Jahr vorgeschlagen.

In diesem Artikel, der eine ganze A4 Seite füllt, ist nirgends die Rede, dass die Bevölkerung gebeten wird, der Umwelt Sorge zu tragen und Schadstoffemissionen zu vermeiden.

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Eine Bekannte, die unter Asthmaanfällen leidet, wenn sie Duftstoffe und Feinstäube einatmet (Allergien auf Duftstoffe liegen weltweit an zweiter Stelle nach den Nickelallergien und dass Feinstäube Lungenkrankheiten auslösen ist bekannt), bekommt aufgrund dieser Vorfälle in einer Klinik die auf Allergien spezialisiert ist, von einem Allergologen, Spezialist auf diesem Gebiet und seines Zeichens Professor einer angesehenen Uniklinik, den lapidaren Vorschlag, sie solle doch einfach einen Asthmaspray verwenden, damit sie die Schadstoffe aushält.

Immer mehr Menschen leiden an Duftstoffallergien, die, wie auf einer Seite des deutschen Umweltbundesamtes zu lesen ist, über die Atmung in die Blutbahn des Körpers gelangen und dort Schaden anrichten. Ausserdem sind die Belastungen der Atemluft durch Feinstaub, verantwortlich für Millionen Kranke im Jahr. Angesichts der Tatsache, dass mindestens 90% der Menschheit Duftstoffe in irgendeiner Form verwendet und es erwiesen ist, dass diese aus schädlichen Chemikalien hergestellt werden und für Asthma, COPT-Erkrankte und Allergiker zu einer grossen Beeinträchtigung führen, mutet es seltsam an, dass in der Problematik dieser Menschengruppe nicht die gleichen Kampagnen gefahren werden, wie in der Bekämpfung der Raucher. Wurde doch nachgewiesen, dass Rauchen auch die Gesundheit der Mitmenschen gefährdet.

Wie wäre es mit einer Aufklärung über schädliche Duftstoffe und Chemikalien in Parfüms, Waschmitteln, Weichspülern, Raumbeduftern („Lufterfrischern“), Kosmetika usw., die täglich in die Atemluft gelangen? Sie sind überall und in Verbindung mit Feinstaub ein gefährlicher Chemiecocktail, der von Lungenfachärzten in Deutschland sogar als Krebsturbo bezeichnet wurde. Stattdessen werden die Leidtragenden aufgefordert, Asthmasprays und Kortison zu verwenden, damit sie die zunehmende Belastung durch Schadstoffe aushalten.

Der Mensch wird nicht mehr angehalten, die Ursachen zu bekämpfen, sondern den Schaden zu managen. Das hat natürlich enorme wirtschaftliche Vorteile, denn es werden Milliarden im Gesundheitswesen, für die Aufrüstung der Kläranlagen und im Bekämpfen der Umweltschäden ausgegeben, die aus dem rücksichtslosen Verhalten des Menschen gegenüber seiner Umwelt und Mitmenschen entstehen. Dadurch wurde der Bereich Medizin zum grössten Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. Wer hat da wirklich noch ein ehrliches Interesse daran, die Ursachen zu bekämpfen?

Dies mag auch der Grund sein, wieso die Grünen, wie mir scheint, längst das Handtuch geworfen haben und ihr Hauptaugenmerk auf Frauenrechte und Flüchtlingsfragen legen. Früher einmal gingen sie noch auf die Strasse weil der Wald stirbt, die Luft verpestet ist und der Regen sauer. In dieser massiven Zerstörung der Umwelt, die wohl nicht mehr aufzuhalten ist, weil man die Geister die man gerufen hat nicht nur nicht mehr los wird, sondern von ihnen schon vereinnahmt ist, spürt man eine Form von Ohnmacht und Resignation, die lebensgefährlich ist, denn jetzt kippt der Mensch von der Stange und niemanden kümmert’s.
Die Folgen dieser Ignoranz haben wir direkt gesundheitlich zu ertragen und gleichzeitig dürfen wir auch noch tief in die Tasche greifen, um die Schäden unseres verantwortungslosen Handelns auszuräumen, die jährlich Kosten in Millionenhöhe verursachen.
Wohin geht unsere Politik in Gesundheits- und Umweltfragen?
Wollen wir weiter zerstören und Schäden bekämpfen oder darf es erlaubt sein umzudenken?

Ein Anruf beim Bundesamt für Gesundheit, aufgrund der zunehmenden Belastung durch Duftstoffe und Feinstaub in der Atemluft, hat Interessantes zum Vorschein gebracht. Zuerst einmal muss man sich gleich zu Beginn rechtfertigen, dass man als besorgter und geschädigter Bürger nicht allein ist, wird einem doch schnell klar gemacht, dass man als bedauerlicher Einzelfall gilt, der vielleicht ein wenig überempfindlich reagiert, um nicht zu sagen hysterisch. Dann hört man, man sei „nur“ die Exekutive und halte sich an die Gesetze, weshalb einem die Hände gebunden seien. Es sei Sache der Politik, die Gesetze zu ändern und da etwas zu unternehmen, dann reagiere man auch beim Bundesamt für Gesundheit. Ärzte, die aufgrund der zunehmenden Umweltkrankheiten Alarm schlagen, werden nicht ernst genommen, dort wo man solche Themen eigentlich an der Tagesordnung vermutet. Anliegen von kranken und besorgten Bürgern werden dahingehend beantwortet, dass man ihnen vorschlägt (den Geschädigten), sie sollen doch selbst quasi das Geld aufbringen, um gegen gewissen Umstände anzukämpfen; ihnen, dem BAG, würden die Mittel für solche Kampagnen fehlen.

Auch dort, so scheint es, ist man der Auffassung, dass man mit Feinstaub und Schadstoffemissionen einfach leben muss, was der heutigen Norm entspricht und jeder der darunter leidet, entspricht nicht der Norm und wird deshalb als unangenehmer Zeitgenosse behandelt. Würde man jedoch alle durch Umwelteinflüsse Geschädigten zusammenfassen, so ist keinesfalls von Einzelfällen die Rede, denn dies würde wohl mindestens 60% der Bevölkerung betreffen. Krankheiten wie Allergien, COPT, Neurodermitis, chronische Bronchitis, Herz- und Kreislauferkrankungen (Feinstaub gilt als Auslöser Nr. 1), Krebs usw. sind am Zunehmen und sind auf eine „ungesunde Lebensweise“, dazu gehört auch das Atmen, zurück zu führen. Doch wird dies offensichtlich ganz selbstverständlich in Kauf genommen, vermutlich um den gewinnträchtigen Bereich Medizin weiterhin gut zu bedienen und anderen Wirtschaftsfaktoren gerecht zu werden, die im Bereich Eliminierung von Umweltschäden lukrative Einkommen verzeichnen.

Der Mensch, jeder Mensch, muss sich vom Verursacher zum Vermeider entwickeln, um nicht als Schadensmanager oder geschädigtes Opfer zu enden. Es wird Zeit aufzuwachen, es ist in allen Belangen schon lange 5 vor 12.

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