Von ASS, über HIT zu MCS

ASS bis MCS

Wenn nichts mehr geht und warum das so ist

Angefangen hat vor über 20 Jahren alles damit, dass ich plötzlich auf Aspirin allergisch reagiert habe und zwar so massiv, dass ich, nicht nur einmal, fast erstickt wäre.

Es war im Winter 1991/1992. Ich hatte eine schwere Grippe, die einfach nicht abklingen wollte. Ende Februar 1992 war mein Hochzeitstermin und nichts anderes war mir wichtig, als am schönsten Tag des Lebens gesund zu sein. Also, habe ich auf Empfehlung meines damaligen Hausarztes Antibiotika genommen. Nach einer 10-tägigen Kur, hat sich aber nichts verändert. Ich habe nicht darauf angesprochen. Also wurde mir eine zweite Kur mit einem anderen Präparat verschrieben. Und damit schien es zu klappen.
Es war Winter, meine Haut war blass, mein Kleid war weiss. Ich wollte an diesem wichtigen Tag in meinem Leben einfach nur gut aussehen. Also habe ich mich zwei Monate vor der Hochzeit auch noch regelmässig unters Solarium(*1) gelegt. Die Grippe war weg und ich beschwerdefrei. Der Tag der Hochzeit kam und es war wohl der letzte Tag, an dem ich alles essen und trinken konnte, was das Herz begehrt.
Kurz nach diesem „schönsten“ Tag, der auch wirklich ein solcher war, kamen plötzlich diffuse Beschwerden. Ständige Niesanfälle, Magen- und Darmbeschwerden, Muskelbeschwerden, Atemnot. Mein Hausarzt meine, es sei jetzt alles in Ordnung, aber er vermute eine Allergie. Ich hatte aber noch nie Allergien! Als Kind hatte ich denn doch öfter mal irgendwo ein Ekzem, manchmal Beschwerden mit Bronchien, aber keine Allergien! Das war neu für mich!
Es wurde mir empfohlen, ein Tagebuch zu führen. Schnell war klar, ich konnte keinen Wein mehr trinken, keinen Käse essen. Aufgewärmte Speisen haben Herzrasen und heftige Darmkolliken ausgelöst. Medikamente habe ich nicht mehr vertragen. Auch keinen Kamillentee oder Schwarztee. Der morgendliche Kaffee mit Assugrin(*2) hat heftige Niesanfälle ausgelöst. Ohne Assugrin passierte nichts. Nach dem Genuss von Milchprodukten, fühlte ich mich dermassen müde und abgeschlagen, als würde ich eine schwere Grippe bekommen. Es war nichts mehr, wie es einmal war.

Ich wurde von einem Arzt zum anderen geschickt. Magen-Darm-Spezialisten, Lungenfachärzten, Allergologen, Orthopäden, dann zu einem Kardiologen. Als ich diesem erzählte, dass ich nach dem Genuss von Wein starke Herzrhythmusstörungen und Herzrasen bekäme, hat er mich nur ungläubig angeschaut. Meiner Bitte, ich würde gerne einen Test machen, um ihm zu beweisen, dass es ist wie es ist und ich könne doch in der Praxis ein Glas Rotwein trinken, um nachher messbare Beweise zu haben und evtl. auch eine medizinische Erklärung dafür, wurde nicht entsprochen, ich musste froh sein, nicht gleich in die Psychiatrie eingeliefert worden zu sein(*3). Stattdessen hat man mich in die Kardiologie eines Spitals zur genaueren Abklärung geschickt. Dort wurde ich auf Herz und Nieren geprüft und es wurde ein WPW-Syndrom festgestellt. Plötzlich hatte ich einen Herzfehler? Dieser sollte aber nicht diese Beschwerden auslösen, hat man mir erklärt. Vielleicht aufgrund dieser Diagnose (organisch), wurde ich das erste Mal aber so richtig ernst genommen. Da im EKG, weder bei Belastung noch im Ruhezustand, keine Rhythmusstörungen feststellbar waren, eben nur der organische Herzfehler „gesehen“ werden konnte, wurde mir ein Langzeit-EKG angehängt mit der Anweisung, die nächsten Tage Buch zu führen, damit man Zusammenhänge eruieren könnte.
Nach der Auswertung des EKG’s, viel mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Stein vom Herzen. Die Herzrhythmusstörungen waren gut erkennbar und endlich galt ich nicht mehr als Simulant. Von da an wurde ich sehr ernst genommen. Ich bekam Notfalltelefonnummern, an die ich mich wenden hätte können, wenn es mir sehr schlecht ging. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Aber meinen Erfahrungswerten, nämlich dass ich nach dem Genuss gewisser Speisen oder Getränke, Herzprobleme hätte, wurde keine Beachtung geschenkt, auch wenn sie nun ersichtlich nach dem Genuss gewisser Speisen auftraten. Es handle sich wohl um Befindlichkeitsstörungen und die Rhythmusstörungen wurden schlussendlich dem organischen Herzfehler zugeschrieben. Nun denn, ich war ja nur schon glücklich darüber, nicht mehr als Simulant zu gelten. Zu schnell habe ich mich mit dem Ergebnis zufrieden gegeben. Diagnosen aus dieser Zeit:
WPW-Syndrom (Kardiologie), ASS-Überempfindlichkeit (Unverträglichkeit von Salicylaten), Allergie auf Fruchtsäuren, Glucose und Sorbit, Lactoseunverträglichkeit (Allergologe) eine Skoliose (Wirbelsäulenkrümmung) beim Orthopäden und ein Zwerchfellbruch beim Magen-Darm-Spezialist.

Mein Hausarzt hat mir dann einfach geraten, all das wegzulassen, was Beschwerden auslösen könnte bzw. wo ich selbst feststelle, dass es Beschwerden bereitet. Nun konnte ich also etwas tun und siehe da, die Herzrhythmusstörungen waren weg und sie kamen nur noch bei heftigen Wetterwechseln(*4) oder eben, unverträglichen Speisen. Es war mühsam selbst herauszufinden, was wo überall enthalten ist. Aber es ging und ich wurde darin selbst zum Experten, wohl oder übel, mir konnte ja von fachlicher Seite nicht geholfen werden.

So konnte ich mich ein paar Jahre relativ gut durchschlagen und die Beschwerden in Grenzen halten. Allerdings ging trotzdem immer weniger. Plötzlich kam dazu, dass ich auf gewisse Reinigungsmittel allergisch reagiert habe. Juckreiz auf der Haut, ständig laufende Nase, Probleme mit den Bronchien. Ich begann auch, meinen Putzschrank zu hinterfragen. Immer mehr Produkte musste ich weglassen. Ich wusste nicht warum, ich wusste nur, dass ich sie nicht vertrug. Es ging nicht mehr. Irgendwann wurden neue Möbel geliefert. Naturholz: Kiefer, gelaugt und geölt. Die Schlafzimmermöbel waren die Hölle. Meine Augen waren früh morgens ständig verkrustet und verklebt, mit eitrigem Sekret. Die Bronchien taten höllisch weh. Ich hatte ständigen Husten, ein Stechen in den Lungen, Niesanfälle, Atemnot. Ich musste das Zimmer wechseln und schlief von da an ihm unbenutzten Gästezimmer, das weit weniger schön eingerichtet war, wo ich aber bald einmal eine Besserung erfuhr. Auf meine Anfrage beim Hersteller der Schlafzimmermöbel hat man beteuert, nur mit den besten und ökologischsten Mitteln zu arbeiten, was mir damals eigentlich völlig egal war, ich wollte nur wissen, was mir so die Bronchien zuklebte. Mein Bewusstsein, dass es Umweltschadstoffe gab, war überhaupt noch nicht ausgeprägt. Mein Wissen darüber gleich null. Ich lies mir eine Zusammensetzung des Möbelbehandlungsmittel zukommen und entdeckte darin Zitronen- und Orangenöl(*5). Weil ich Zitronen und Orangen seit den Herzproblemen nicht mehr essen konnte, sah ich da den Zusammenhang. Ich konnte diese Stoffe also auch nicht einatmen.  Also wurde ich auch da vorsichtiger. Das Schlafzimmer konnte ich erst nach einem Jahr wieder benützen, die Beschwerden waren jedoch immer noch da, nur nicht mehr so heftig. Jetzt war mir auch klar, warum die Reinigungsmittel nicht mehr gingen, die Zitronen- oder Essigsäure enthielten.

Ich ging dann auch immer wieder mal zu Fachärzten. Unter anderem zu weiteren Allergologen. Ich hatte doch ab und an einmal die Hoffnung, mir könnte endlich geholfen werden, die Beschwerden nahmen ja ständig zu. Keine Chance! Man glaubte mir schlicht und einfach nicht. Je mehr Ärzte ich aufsuchte, umso mehr schadete ich meinem Ruf, denn immer mehr bekam ich denn zur Antwort, es wäre alles nur psychisch. Der Allergologe hat auf seinem Fachgebiet getan was er konnte und fand eine Allergie auf Beifussgewächse. Weiters wurde ich, aufgrund von verdächtigen Antikörpern im Blut, zur Schilddrüsenuntersuchung geschickt. Die Diagnose: Hashimoto-Syndrom
Aufgrund der häufigen Gelenk- und Muskelbeschwerden, kurz gesagt, der rheumatischen Beschwerden, die ich nicht einmal mehr mit Wärmepflastern behandeln konnte, weil die schwere Asthmaanfälle auslösten, bekam ich unter Berücksichtigung und Auswertung der Tender Points(*6) die Diagnose: Fibromyalgie

So strich ich aufgrund dieser weiteren Erfahrungswerte in Bezug auf die Allergie, noch mehr aus meinem Leben. Bis ich dann auch mein Parfüm und meine Körperpflegeprodukte nicht mehr vertrug. Das war dann das AUS bezüglich eines normalen Lebens. Ich war zwar im Weglassen von Dingen schon ziemlich geübt, aber ich musste immer mehr und mehr meiden. Irgendwann war dann MEIN Leben frei von Auslösern, aber nicht das der anderen.

Plötzlich kam da nämlich ein neues Problem auf mich zu, das ich bis dahin nicht bemerkte, weil ich ja selbst noch nicht ganz duftfrei gelebt hatte. Ich war beschwerdefrei, solange ich nicht mit anderen zusammen war und es hat Jahre gedauert, bis ich endgültig begriffen habe, dass auch die Duftstoffe, die andere Menschen verwenden, normale Waschmittel, Weichspüler, Parfüms, Körperpflegeprodukte, bei mir ebenfalls starke körperliche Beschwerden auslösten. Ich dachte mir, nur wenn ich sie verwende, machen sie mich krank, weil ich sie ja auf der Haut trug, in die Luft versprühte und sie in meinem Haushalt hatte, doch dass diese auch über die Luft, sogar im Freien, eine derartige Flut von Beschwerden auslösen, das war selbst mir unverständlich.
Das war dann wohl der Moment wo ich das erste Mal wirklich verzweifelt war. Jetzt musste ich also auch Kontakte streichen? Was blieb mir anderes übrig? Erklärungen bezüglich der Unverträglichkeiten fielen bei wenigen auf fruchtbaren Boden und haben nur zu sehr belastenden Diskussionen und Unstimmigkeiten geführt.

Mit diesem gesellschaftlichen Manko behaftet ging dann auch noch mein soziales Umfeld in die Brüche. Die Ehe litt, meine Familie verstand die Welt nicht mehr, meine Freunde glaubten wohl, ich sei verrückt geworden. Ich war aufgrund diverser Unverträglichkeiten nicht mehr „gesellschaftsfähig“. Keine gemeinsamen Ausflüge mehr, keine gemeinsamen Essen irgendwo auswärts, keine gemeinsamen Abende mit Freunden gemütlich zu Hause. Die Folge davon war gesellschaftlicher Rückzug, Scheidung, permanente Konfrontationen mit meiner Familie und im Freundeskreis. Erst als ich völlig allein und zurück gezogen lebte, soziale Kontakte nur noch mässig dosiert pflegte, diese vor allem mit Menschen, die auf diese Problematik Rücksicht nahmen, hielten sich meine körperlichen Beschwerden in Grenzen.
In Momenten der grössten Verzweiflung begann ich immer mal wieder zu recherchieren. Ich wollte nicht wahrhaben, was da mit mir geschah. Ich las diverse Bücher und Berichte. Als ich einmal vor vielen Jahren, zu Beginn des Internetzeitalters in Google ohne Hoffnung auf Erfolg „Allergie auf Duftstoffe“ eingab, bekam ich wenig Brauchbares zu diesem Thema(*7). Ich probierte es immer wieder einmal und nach ein paar Jahren entdeckte ich eine Seite, die mich auf eine Chemikalienunverträglichkeit aufmerksam machte, wo auch vermerkt war, dass Duftstoffe potentielle Auslöser sind. Und so hörte ich das erste Mal, dass es MCS gibt. MCS ist eine Umwelterkrankung und bedeutet multiple Chemikaliensensitivität. Am Anfang dachte ich noch: „ach, so schlimm ist das bei mir nicht …“
Ich hab das dann noch ein paar Jahre selbst „herunter gespielt“. Aber es wurde immer schlimmer.
Mir wurde dann von einem Arzt geraten, ich solle doch die 11 Amalgamfüllungen entfernen lassen, die mir als Jugendliche von einem gewissenlosen Schulzahnarzt eingesetzt wurden (der hatte sich an den Kindern dumm und dämlich verdient und grob fahrlässig gehandelt, in dem er auch „gesunde“ Zähne behandelt hat – bei einer Klassenzusammenkunft 20 Jahre später, habe ich erfahren, dass es Eltern gab, die gegen ihn prozessiert haben, und dass er seine Praxis wegen grob fahrlässigem Handeln dann schliessen musste). Die Amalgam-Füllungen habe ich entfernt. Krank blieb ich. Ich suchte Homöopathen auf, andere ganzheitliche Naturheiler, traditionelle chinesische Medizin. Bioresonanz, Kinesiologie, ja bis zur Wunderheilerin bin ich in diesen Jahren gegangen. Ich habe am Schluss an alles geglaubt, das mir irgendwie helfen hätte können. Ausser hohen Kosten hat es nichts gebracht. Also doch MCS? Im Jahr 2011 kam dann die letzte definitive Diagnose die da lautete: MCS(*8), Entgiftungseinschränkung durch genetisch bedingte Gluthationsstörung(*9) , Histaminintoleranz.

Ach ja, wichtig zu erwähnen wäre, dass ich in all den Jahren auch noch diverse Psychiater und Therapeuten aufsuchte, denn ich wollte wissen was mit mir los ist. Weil ich doch des Öfteren von genervten Ärzten hörte, dass es psychosomatisch sein könnte, wollte ich auch das abgeklärt haben. Und ich selbst fragte mich immer wieder: „was ist nur aus Dir geworden? Wo ist die starke, analytische denkende, fröhliche, erfolgreiche Frau, die Du einmal warst?
Nun denn, mir konnte auch da nicht geholfen werden. Ich war psychisch völlig normal. Ich war noch bei Physiotherapeuten, bei Chiropraktikern, bei Wirbelsäulenbegradigern. Alles hat meine Symptome nur gelindert, mir mehr Verständnis für mich selbst gebracht und mich nicht verzweifeln lassen, aber ohne Vermeiden der Auslöser, schaffte ich es nicht, beschwerdefrei zu bleiben.

Das alles passierte zwischen 1991 und 2002

Nun, 22 Jahre nach den ersten Symptomen, nach vielen Gesprächen mit ebenfalls Betroffenen in Selbsthilfegruppen und Foren, Internetrecherchen, diverser Literatur und dem Lesen von Fachberichten, die ich mir zusammengesucht habe, die Betroffene untereinander austauschen und die es mittlerweile von MCS-Gruppen gab, kann ich aus meiner eigenen Krankengeschichte folgende Bilanz ziehen.

In unseren Arztpraxen sassen und sitzen leider immer noch zumeist narzisstische Persönlichkeiten, die in ihrem Scheuklappenwissen – vor allem in ihrem Wissen, dass Wissen Macht ist – bei Krankheiten die ihr Vorstellungsvermögen überschreiten, mehr Schaden anrichten, als Nutzen. Nicht nur mir ging es so, auch vielen anderen. Patienten wurden einfach nicht gehört, nicht wahr genommen, nicht ernst genommen, hin- und hergeschoben, abgewimmelt, belächelt und sogar beschumpfen. Bedauerlicherweise hat sich nicht viel daran geändert, obwohl es mittlerweile ein paar wenige Mediziner gibt, die sich auf dem Gebiet spezialisiert haben und es gibt jetzt auch einen Fachbereich in der Medizin: Umweltmediziner.

Ich muss all den anderen zu Gute halten, nebst ihrem selbstgerechten Verhalten, dass sie mit dem Thema wahrscheinlich einfach auch überfordert waren. Die ASS-Überempfindlichkeit war schon länger bekannt und somit bereits „salonfähig“. Allergien auch. Aber HIT und MCS, das ging vielen Fachärzten einfach zu weit. Da wurde man doch immer wieder auf psychosomatische Störungen aufmerksam gemacht. Genau das war aber wenig gesundheitsfördernd. Denn das nicht ernst genommen werden, dieses zermürbende kräftezehrende hin- und herpendeln zwischen den jeweiligen Fachärzten, die immer nur ihr eigenes Fachgebiet nach bestem Wissen und Gewissen verfolgten, der psychische Stress der damit einherging, hat alle Symptome nur noch verschlimmert. Vermehrte Histaminausschüttung durch Stress!

Sich bewusst zu werden, dass man zu einer Randgruppe gehört, zu Menschen, die vielfach noch als Spinner und Simulanten bezeichnet werden und für die es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt, das kann doch sehr einsam und kraftlos machen. Zusätzlich zu den sozialen Abstrichen, führt das zu immensen psychischen Belastungen und auch das erhöht den Histaminspiegel. Die finanzielle Situation, nach vielen unnötigen Versuchen an Therapien und der ständigen Verschlechterung des Zustandes, was früher oder später zur Erwerbslosigkeit führt, macht die Situation der Betroffenen nicht besser. Das ist und war unnötiger Stress für viele. Stressbelastungen, von „Ungläubigen“ seitens der Medizin, der Versicherungen und der Politik produziert, die nicht notwendig gewesen wäre, hätte man den Wahrnehmungen jedes einzelnen Menschen einfach nur vertraut, und das Unmögliche für möglich gehalten.

Erst heute und zwar durch eigene Recherchen wird mir bewusst, dass die ASS-Überempfindlichkeit, eine weit grössere Auswirkung auf die Gesundheit hat, als dass sie „nur“ nach der Einnahme von Aspirin zu Atemnot führt. Die Salicylate, auf die Betroffene reagieren sind auch in Nahrungsmitteln enthalten und zwar in sehr sehr vielen. Es gibt nur wenige Lebensmittel die völlig salicylatfrei sind.
Erst heute weiss ich, dass meine damalige Erfahrung nach der Antibiotikabehandlung, nach der ich plötzlich allergische Beschwerden bekam, erste Anzeichen einer Histaminintoleranz waren, ausgelöst höchstwahrscheinlich durch die wochenlange Antibiotikabehandlung. Heute reden Allergologen offen darüber, dass viele Medikamente wahre Histaminbomben sind und die Darmflora schädigen. Hätte man diese Beschwerden ernst genommen, erkannt und entsprechend behandelt, hätte Schlimmeres verhindert werden können.

Denn, wenn gar nichts mehr geht, dann landet man so wie ich bei MCS. Dann lebt man damit, fast nichts mehr zu vertragen, weil man auf fast alles reagiert. Die multiple Chemikaliensensitivität dient heute wohl als Sammelbegriff für all diese Beschwerden, ausgelöst durch Duftstoffe, Salicylate, Chemikalien, Histamine, Histaminauslöser (Stress, Traumata, Umweltgifte, Medikamente, Allergene) und schlussendlich auch, durch die permanente Ignoranz der Betroffenen, weil die Ärzte kein Vertrauen haben in die Wahrnehmung und eigenen Erfahrungswerte ihrer Patienten.

Die Devise in all zu vielen Arztpraxen, die immer mehr zu gut duftenden Wellnessoasen mutieren, scheint wohl diese zu sein, möglichst darauf bedacht zu sein, viele Medikamente in Umlauf zu bringen und immer wieder neue Apperaturen zu amortisieren, um möglichst gewinnorientiert arbeiten zu können.
Das Wohl und die Gesundheit des Menschen scheint zweitrangig geworden zu sein.

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht die wenigen Ausnahmen vergessen. Ärzte, die seit Jahren schon mit ihren Patienten darum kämpfen, dass sie eben nicht mehr als Simulanten oder Spinner abgestempelt werden, die dort ansetzen, wo viele aufhören, nämlich die Patienten endlich anzuhören, ihnen zu glauben und Lösungen zu suchen, um ihnen helfen zu können.

Wenn nichts mehr geht, wenn ein Patient bereits bei MCS angelangt ist, dann hilft nur noch das, was vielen Ärzten leider immer noch fehlt:

Ernst nehmen, wahr nehmen, zuhören und zwar die ganze Geschichte, um sich ein umfassendes Bild machen zu können
Das einseitige Wissen eines Arztes nützt da (sorry) nicht mehr viel, aber es kann für beide Beteiligten neues Wissen entstehen im Austausch auf Augenhöhe. Machtspiele sind da Fehl am Platz!

Vertrauen schaffen und nicht mit neuem Misstrauen neue Stressmomente schaffen
Ein Patient der wissen will was mit ihm los ist und nicht tatenlos zusehen kann, wie er schleichend vor die Hunde geht, war und ist gezwungen, sich selbst zu informieren; er weiss deshalb viel und ist, was seinen eigenen Körper anbelangt, der Experte und trotzdem ist er auf Mithilfe einer Fachperson angewiesen, um zu eventuellen Lösung zu gelangen

Eventuelle Behandlungsmethoden individuell auf den jeweiligen Patienten abstimmen
Nicht vorschreiben was zu tun ist, Ängste vor Unverträglichkeiten ernst nehmen und mit dem Patienten absprechen, was getan werden könnte. Medikamenteninhaltsstoffe prüfen, nachforschen und diese mit dem Patienten besprechen. Die Medikamente müssen in erster Linie für den Patienten stimmen, nicht für den Arzt!

Medikamente finden, die der multiplen Unverträglichkeit gerecht werden
Vitaminpräparate, Histaminhemmer, Histaminblocker, Enzyme, die helfen sollen Histamin abzubauen, Leukotrienenhemmer sollten frei sein von Allergenen, schädlichen Farb- und Zusatzstoffen, lactosefrei, fructosefrei und salicylatfrei und selbstredend nicht noch potente Histaminliberatoren enthalten.

Natürliche Behandlungsmethoden in Betracht ziehen, wenn kein Medikament
gefunden wird, dass für die Behandlung geeignet ist

Menschen mit solchen Erkrankungen sind am Ende ihrer Kräfte, ausgezehrt, mangelernährt und kaum mehr in der Lage, für sich selbst einzustehen.
Es ist wohl der humanistische Auftrag eines jeden Arztes: Steht zu euren Patienten! Unterstützt eure Patienten, auch mental in dem ihr ihnen glaubt, sie ernst nehmt und anständig behandelt. Alles was die Psyche nicht
belastet ist gesundheitsfördernd.

Ein bekannter Arzt und Buchautor, der viel Geld damit verdient, Bestseller darüber zu schreiben, wie jede Krankheit in die psychische Schublade geschoben werden kann, schreibt in einem seiner Bücher, es sei schon ziemlich erstaunlich, dass – seit dem die Menschheit weiss, wie viele Schadstoffe in der Umwelt, in den Lebensmitteln, Getränken und den Dingen des täglichen Gebrauchs vorhanden seien – die Allergien stark zugenommen hätten.
Besagter Arzt und Autor lässt offensichtlich ausser Acht, dass Umwelterkrankte in einem Alter sind, wo ihre Eltern und später auch sie selbst, bedenkenlos alles angewandt haben, was der Markt hergab, ohne sich bewusst zu sein, wie schädlich all diese Produkte sind. Umwelterkrankte sind Langzeitgeschädigte. Sie sind jetzt krank, nachdem sie über viele Jahre normal gelebt haben! Sie stammen aus der Generation, die die Schadstoffe schon über die Plazenta und die Muttermilch verabreicht bekamen, weil ihnen und ihren Eltern, alles was „neu“ auf den Markt kam, als Errungenschaft, Fortschritt und als gesundheitlich unbedenklich verkauft wurde. Darunter sind viele Stoffe, Chemikalien und Lebensmittel, die heute als schwer bedenklich, toxisch und folglich als schwer gesundheitsschädigend und krebserregend gelten. Diese Menschen sind die Versuchskaninchen dieser Zeit.
Sie sind die, zwischen denen die nichts hatten (im Krieg und nach dem Krieg) und die, die heute alles haben und wissen, dass das alles aber nicht mehr unbedenklich ist.

Nach dem Motto: „wir tun was!“ warnt man die Bevölkerung immer wieder mal mit milliardenschweren Kampagnen vor Drogen, Cannabis und dem Rauchen. In diesem Fall unterlässt man es auch nicht, mit Panikmache, Angst zu erzeugen. Angst, die wiederum gesundheitsschädlich ist. Da spricht niemand von Psyche, da spricht man von Giften, die schwer gesundheitsschädigend sind. All die anderen Schadstoffe werden, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand in Erwägung gezogen. Zu gross ist die Lobby der Pharma- und Chemieindustrien, als dass man sich getrauen würde, da einmal anzusetzen, wo die Gifte herkommen, die ganz legal von Medizin, Wirtschaft und Politik verabreicht, produziert und geduldet werden.

Immer noch kämpfen MCS-Betroffene weltweit um Anerkennung der Krankheit, dies obwohl sich die Wissenschaft der Langzeitschäden von Chemikalien heute sehr wohl bewusst ist. Bis die Krankheit sich etabliert hat,  bis sie wirklich anerkannt ist und Betroffene Anspruch auf Unterstützung haben, in Form von Anerkennung als Menschen mit Behinderung, was ihnen zumindest mcs-gerechte Arbeitsplätze ermöglichen würde und einen Anspruch auf eine Rente, werden unter Umständen noch Jahre vergehen. Bis dahin bleiben sie Menschen im Schatten unserer Gesellschaft, sich selbst überlassen.

Die Anerkennung der Krankheit MCS würde eine neue Ära einläuten, denn die Krankheit ist stark am Zunehmen und sie ist noch nicht heilbar. Nur das Vermeiden der Auslöser hält die Beschwerden in Grenzen.
Man stelle sich vor, wieviele Rentenanträge, angesichts der zunehmenden Umweltbelastung, in Zukunft gestellt würden, weil Menschen durch Chemikalien geschädigt und erwerbslos wurden. Erst wenn die Rentenanstalten mit Anträgen überhäuft werden, wenn die Mediziner endlich einsehen, dass fast alle schweren Krankheiten, den Umweltgiften zuzuschreiben sind und die Politik nicht mehr anders kann, als zu handeln, dann endlich erfährt die Umwelt, Mensch und Tier, was es heisst, nicht vergiftet zu werden und gesund leben zu dürfen.

Nachtrag: Auch bezüglich Schäden an der Halswirbelsäule, die sowohl in meiner Kindheit, wie auch im Erwachsenenalter aufgrund von Stürzen, Schlägen und einem Auffahrunfall in Betracht kämen, und die bis anhin nicht ernst genommen wurden, muss gedacht werden. Das allerdings würde den Rahmen des hier aufgeführten sprengen und so werde ich zum Thema „Verletzungen der Halswirbelsäule und die Auswirkungen auf unsere Gesundheit“ einen eigenen Artikel verfassen. Hier sei einmal vorweg erwähnt, warum bei unerklärlichen Krankheiten an eine Verletzung der Halswirbelsäule gedacht werden sollte. Mehr Informationen hier:
http://www.dr-kuklinski.info/buecher/schwachstelle-genick.html

Fussnoten:
[1] Solarien/starke Sonneneinstrahlung kann das Immunsystem schwächen.
[2] Assugrin enthält Weinsäure (HIT)
[3] Im Arztbericht stand dann: „die Patientin glaubt, nach dem Genuss von Rotwein, Herzrhythmusstörungen zu verspüren.“
[4] Wetterwechsel sind bei empfindlichen Menschen belastend und können den Histaminausstoss im Körper forcieren
[5] ätherische Öle sind, aufgrund ihrer hohen Konzentration toxisch, enthalten Terpene, die starke Allergene sind und Zitronen- und Organen sind Histaminliberatoren.
[6] Wetterwechsel sind bei empfindlichen Menschen belastend und können den Histaminausstoss im Körper forcieren
[7] Druckpunkte mit denen der Arzt abklärt, ob eine Fibromyalgie vorliegen könnte
[8] MCS = multiple chemical sensitivity (erstmals entdeckt von Dr. Randolph, USA, 1948)
[9] Glutathion ist für die Entgiftung von Schwermetallen verantwortlich.

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