Fleisch zum Fest der Liebe

Es ist auffallend. In den letzten 14 Tagen sind mir unzählige Tiertransporter begegnet.

So viele, dass man ihnen nicht ausweichen kann. Sie sind voll mit Lebewesen.
Ein jedes einzelne Wesen in so einem Transporter empfindet Unbehagen, Angst. Nur schon beim Transport. Oft sind die Chauffeure unter Druck und fahren schneller als die Polizei erlaubt. Ich erlebe es immer wieder, wie sie hier durch den Ort kurven. Dann rumpelt es im Lastwagen. Manchmal sieht man durch die Lüftungsschlitze nur die Ohren, dann wieder Nasen, die schnuppern. Noch einmal Luft atmen, noch einmal die Nase in die Freiheit stecken, eingepfercht mit vielen anderen Todeskandidaten auf dem Weg zum Schlachthof. Das ist so ziemlich das letzte Zeichen vom Dasein dieser Lebewesen als Ganzes, bevor sie getötet und zerteilt werden. Was in den Schlachthöfen passiert, daran wollen wir erst gar nicht denken. Denn das geht uns ja nichts an! Wir essen ja nur, wir schlachten nicht. Töten tun die anderen!

Überall auf der Welt werden jetzt wieder Millionen von Tieren zu den Schlachthöfen gekarrt, nur damit die Fleischregale in den Grossverteilern gefüllt werden können und die Auswahl gross ist, gross an Fleisch für jeden Geschmack. Kaum einer der in ein Fleischregal greift wird mit Ehrfurcht daran denken, dass für seinen Genuss ein Tier sein Leben gelassen hat. Kaum jemand denkt an das Leid, wenn Kälber den Kühen weg genommen werden oder Lämmer den Mutterschafen, nur damit die Muttertiere noch mehr Milch produzieren. Kaum jemandem ist bewusst, dass die Jungen künstlich hochgefüttert werden, nur um einen Zweck zu erfüllen, nämlich den, geschlachtet zu werden und als zartes Lamm- oder Kalbfleisch auf unserem Teller zu landen.

Die Gier nach noch mehr und noch mehr lässt das Leid grösser und grösser werden. Wir versinken in Fleischbergen und füllen unsere Einkaufskörbe, weil’s grad immer auch an den Festttagen noch so tolle Aktionen gibt. Fleisch als Aktion! Das Tier stirbt im Schlachthof, der Wert dessen was es uns gibt in unserem Gehirn.

Weihnachten wird als das Fest der Liebe bezeichnet. Aus Liebe feiern wir dieses Fest schon lange nicht mehr. Es ist das Fest der Gier, das Fest des „Habenwollens“ … noch ist ja genügend da und solange wir aus dem Vollen schöpfen können, werden wir uns den Kopf nicht darüber zerbrechen, ob Kinderarbeit für ein Produkt geleistet wird, das wir jemandem schenken; ob Tiere leiden müssen, damit wir unseren Bauch voll schlagen können; ob Arbeiter vergiftet werden, weil sie Plantagen mit Pestiziden besprühen, damit wir einwandfreie Ware bekommen oder ob Bauern in armen Ländern völlig unterbezahlt Produkte liefern, die für uns Genussmittel sind.

Ich bin eine von denen, die nicht Angst haben, dass Morgen die Welt untergeht;
ich bin eine von denen, die Angst haben, dass alles so bleibt wie bisher!

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