Wieviel MUSS der Mensch aushalten MÜSSEN


Eine persönliche Zusammenfassung zum Thema MCS, die viele Fragen aufwirft.

Fakt ist:
In Vorträgen, umfangreichen wissenschaftlichen Berichten und Studien von Umweltmedizinern und Wissenschaftern, ist bei MCS explizit von Vergiftungen des Körpers und damit einer bleibenden organischen Schädigung die Rede „chronische Intoxikation“, Dr. Tino Merz, „Multiple Chemikalien Sensitivität (MCS)“ Dr. Martin Pall „, oder z.B. Dr. Joachim Mutter „Amalgam – Risiko für die Menschheit“. Biochemiker wiederum, sprechen von intelligenten Zellen und sind überzeugt, dass wir unsere Zellen umprogrammieren können, um fortan nicht mehr krank sein zu müssen Dr. Bruce Lipton „Intelligente Zellen“, und Heilpraktiker schwören darauf, dass nur durch eine Entgiftung, einem Aufbau und einer mentalen Unterstützung des Körpers eine wirkliche Gesundung herbeizuführen ist, z.B. Uwe Karstädt „entgiften statt vergiften“.

Der MCS-Betroffene wendet sich am Beginn seiner Krankheit zuerst an einen Arzt, dann folgen viele unterschiedliche Ärzte aller Fachrichtungen. Es beginnt eine Odyssee die kaum zu toppen ist. Die Verunsicherung ist gross, grösser könnte sie wohl nicht sein. Die einen lehnen die Krankheit MCS völlig ab und psychiatrisieren die Patienten. Dabei wird völlig ignoriert, dass das Inhalieren von Dämpfen zu Bewusstseinsstörungen führen kann und gesundheitliche Schäden sowohl physischer als auch psychischer Natur mit sich bringt. Man lese dazu diese sehr aufschlussreiche Broschüre.
Die anderen verweisen die Patienten zu Allergologen. Auch wenn diese schon lange feststellen, dass Allergien auf Duftstoffe an zweiter Stelle nach den Nickelallergien stehen, stehen sie dem Thema aber ebenso hilflos gegenüber, weil Allergien mit Medikamenten gelindert werden können, MCS nicht. Es gibt wenige Ärzte die versuchen, die Krankheit zu verstehen und ernst zu nehmen. Einige empfehlen „neue“ Heilmethoden, z.B. basierend auf Informationen im Gehirn die durch Training  umprogrammiert werden können oder einer Therapie die sich „Body Talk“ nennt, mit der man die Vergiftungsinformationen einfach aus den Zellen klopft usw.

Tatsache ist, die Mediziner werden immer öfter mit Krankheiten konfrontiert, die zeigen, dass auch der Mensch die zunehmende Belastung mit Chemikalien nicht mehr verarbeiten kann, was meist ungläubige Rat- und Hilflosigkeit auslöst: Wie kann ein Mensch nur auf geringste Spuren von Chemikalien mit schwersten körperlichen Symptomen reagieren?

Dabei wäre es so einfach. Das Fass ist einfach voll! Plötzlich zeigt nun auch der Mensch, dass er ein fragiles Lebewesen ist, dessen Immunsystem genau so unter der Flut von Chemikalienbelastungen zusammenbricht, was das Fass zum Überlaufen bringt, sowie auch die Umwelt mit all ihren Lebewesen und Pflanzen schon lange an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gekommen ist.

Der Mensch aber, der sich immer noch als Krone der Schöpfung sieht, glaubt in dieser Krone die Unverwundbarkeit und das Allwissen für sich gepachtet zu haben. Da kann dann schon mal das Bewusstsein abhanden kommen, dass Umweltgifte ihn krank machen könnten. Dabei beruht nach Ansicht von Uwe Karstädt fast jede uns bekannte schwere Krankheit auf einer Vergiftung des Körpers, was sehr glaubhaft erscheint. Ausserdem warnen uns gerade auch die Mediziner seit Jahren schon oft eindringlich, mit umfangreichen Broschüren, Flyern, Kampagnen und eigenen Mitteilungen, dass zuviel von allem einfach ungesund ist und den Körper schwer schädigen kann:  zuviel Sonne schadet der Haut; zuviel Rauch der Lunge und dem Herz; zuviel Salz erhöht den Blutdruck; zuviel Alkohol zerstört die Leber; zuviele Medikamente machen abhängig und gehen auf die Nieren (oft stehen auch die Nebenwirkungen in keinem Verhältnis zum Nutzen des Wirkstoffs); zuviel Zucker fördert Pilzerkrankungen; zuviel Sport ist schlecht für die Gelenke; zuviel Kaffee macht nervös und verhindert einen ruhigen Schlaf; zuviel Hygiene schadet dem Immunsystem und, und, und …
Daraus ergibt sich eine ganz provokante Frage: Wie ernst nimmt die Medizin sich mit all ihren Warnungen und Kampagnen eigentlich selbst noch?

Nicht umsonst spricht man bei diesen Krankheiten von Zivilisationskrankheiten. Die Zivilisation  hat uns viel Gutes gebracht, aber auch viel Schlechtes. In ärmeren Ländern kennt man solche Krankheiten kaum. („Der Begriff Zivilisation ist von dem im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegten Adj. zivil (bürgerlich, von lat. civis, „Bürger“) abgeleitet. Er bezeichnet die durch Fortschritt von Wissenschaft und Technik ermöglichten und von Politik und Wirtschaft geschaffenen Lebensbedingungen“)

Nun liefert der, an dem von allem ZUVIEL Erkrankte, hoch zivilisierte Mensch ein Krankheitsbild, das bestätigt, dass zuviel von allem tatsächlich zuviel ist. Weil es hier aber um ein ZUVIEL an Chemie geht, steht die Medizin plötzlich vor einem „Rätsel“; Was nicht sein darf, darf einfach nicht sein! Statt, dass sich die Medizin, die uns jahrelang vor allem gewarnt hat, in ihren Warnungen bestätigt fühlt, werden die Beschwerden der MCS-Patienten stark angezweifelt. Hypochonder oder Ökochonder? Was nun?
Man begegnet dieser Krankheit oft nicht mit dem nötigen Ernst und weil MCS so seltsam erscheint, erfolgt ein Trendwechsel in der Behandlung, der bis anhin undenkbar gewesen wäre. Es werden Heilmethoden vorgeschlagen, die man früher  in die esoterische Schublade geschoben und deren Anbieter man als „Gesundbeter“ bezeichnet hätte. Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre man mit einer Vorstellung von Hirntraining gegen Vergiftungen, intelligenten Zellen und heilenden Gedanken, bei jedem Schulmediziner wohl als Spinner abgekanzelt worden, genauso wie Amalgam verharmlost wurde und allgemein die Vorstellung herrschte, dass Umweltgifte sowieso nur der Umwelt und nicht dem Menschen schaden.
Auch wenn ich die Hilflosigkeit der Ärzte nachvollziehen kann, weil MCS noch nicht heilbar ist, und auch sie, angesichts der immer mehr am Wohlstand Erkrankten, nach jedem Strohhalm greifen, so wirft das viele Fragen auf.
Grundsätzlich muss man sich mittlerweile fragen: Sind Gifte, schädliche Chemikalien, ätzende Dämpfe und allergene Duftstoffe  jetzt plötzlich nicht mehr giftig oder gesundheitsgefährdend?

Ich möchte ja an wundersame Heilungen in einer sich glücklich veränderten Welt glauben wollen. Ich sehe ja auch trotz vieler Beschwerden und Einschränkungen mein Leben immer noch als schön und positiv an. Ich habe auch gelernt, mit der Sache umzugehen, aber es fällt mir schwer, mir die Symptome schön zu denken, die z.B. das Einatmen von Sprühnebel aus Desinfektionsmitteln bei mir auslösen. Diese haben in diesem Moment für mich lebensbedrohlichen Charakter: Atemnot, Engegefühl in der Brust, Hustenreiz, Blutdruckabfall, Kreislaufprobleme, Herzrhythmusstörungen. Ist es tatsächlich mein negatives Denken, dass zu diesen Symptomen führt? Kann positives Denken und ein glückliches harmonisches Umfeld wirklich vor starken Belastungen mit Chemikalien bzw. Vergiftungen schützen? Sind demnach all die Sicherheitsdatenblätter und Empfehlungen für den Umgang mit Chemikalien „in den Wind geschlagene Warnungen?“
Oder geht es nun einfach darum, dem Patienten in jedem Fall die Schuld zuzuweisen. Er alleine sei verantwortlich für seine Beschwerden zu machen, weil er durch negatives Denken und negatives Verhalten in der Vergangenheit einen Nährboden für Vergiftungen geschaffen hat?

Okay, ich will wie gesagt auch an eine heile harmonische wundersame Welt glauben. Glücksgefühle wie z.B. das Gefühl verliebt zu sein oder geliebt werden, stärken ohne Zweifel das Immunsystem. Aber wenn einem der Erfolg, die Liebe und das glückliche Umfeld, in der Vergangenheit, auch wenn das nicht immer zur vollsten Zufriedenheit gelaufen ist, nicht vor einer Schädigung des Körpers geschützt hat, dann empfindet man es jetzt, im Zeitpunkt der Erkrankung einfach als Hohn zu hören, dass man alles vielleicht anders hätte haben können, hätte man nur anders gedacht. Kaum jemandem wird eine heile Welt in die Wiege gelegt. Selten schwimmt jemand permanent auf der Schokoladenseite des Lebens. Sowohl positive wie auch negative Erfahrungen bringt das Leben mit sich, und alles hinterlässt seine Spuren. Wir sind nun mal die Summe von Einflüssen und Erfahrungen, wenn wir ein gewisses Alter erreicht haben. Das ist doch einfach der Weg des Lebens eines jeden einzelnen Individuums!

Mitten in diesem Wirrwarr von Meinungen, Ansichten, Vermutungen und Erkenntnissen bezüglich der Umwelterkrankungen steht der MCS-Patient mit all seinen Beschwerden und den damit verbunden Sorgen. Er ist durch ein Zuviel von allem vergiftet, weil er in der Vergangenheit sorglos mit Chemikalien umgegangen ist. Er ist einer jener Generation, die in der Nachkriegszeit zuerst von den Eltern und dann noch selbst von den mannigfaltigen Neuerungen der Moderne, die nach all den erlittenen Entbehrungen fast aus dem Nichts entstanden sind, profitiert hat. Schadstoffprüfungen gab es damals in diesem Umfang noch nicht. Zuerst wollte man ohnehin einmal nur in Richtung Wohlstand denken. Dass es schaden könnte, eher nicht …  Hauptsache Komfort!. Oft war der an dem Zuviel krank Gewordene auch noch ein tüchtiger Mitarbeiter, der sich stressmässig nur allzuviel zugemutet hat und vielfach hat er, um seine Existenz zu sichern oder als von Grund auf friedvoller Zeitgenosse auch noch viele „giftige Beziehungen“ ausgehalten.  Auf Seite 38 des Buches von Harriet Braiker, ist zu lesen: „Andauernde Gefühle von Hilflosigkeit führen zu einem erhöhten Ausstoss des Stresshormons Kortisol, das die Fähigkeit des Immunssystems herabsetzt, Bakerien, Viren und UMWELTGIFTE abzuwehren und bösartige Zellen aufzuspüren.

Es ist wohl die Summe von all dem, die den MCS-Betroffenen hat krank werden lassen. Beim einen trifft wohl das eine, beim anderen das andere mehr zu. Tatsache ist, der Körper ist geschädigt und der Erkrankte leidet unter einer massiven Beeinträchtigung in seinem Alltag, der Freizeit, in der Familie und am Arbeitsplatz. Und weil er so lange selbst nicht wahrhaben wollte, dass er vergiftet ist, auch jahrelang keine adäquate Hilfe gefunden hat, ist sein Körper schon so geschädigt, dass ihm oft nicht mehr geholfen werden kann. Es hilft ihm schlussendlich nur noch, alle Auslöser konsequent zu meiden. Das lässt ihn einigermassen beschwerdefrei leben. Das konsequente Meiden der Auslöser wird übrigens auch bei Allergien von Allergologen empfohlen. Tut der Betroffene das aber, um sich selbst zu schützen, dann wird er von den Ärzten als nicht kooperativ bezeichnet. Denn es kann einfach nicht sein, dass jemand nicht aushält, was vielen anderen offensichtlich nichts ausmacht. Doch vorzuschreiben, was jeder Einzelne aushalten muss, das passiert wohl eher in einer Diktatur als in demokratischen Ländern.

Wieviel muss der Mensch aushalten und wer bestimmt, was der Mensch aushalten muss? Wer legt fest, was für die Menschheit schädlich ist und was nicht? Wie werden Grenzwerte gemacht und von wem? Auf welchen Erfahrungen beruhen sie?

In dieser ganzen Kontroverse rund um das Thema multiple Chemikalienunverträglichkeit, werden, aufgrund der Ignoranz und Arroganz, der Uneinigkeit und dem Machtkampf in der Wissenschaft – meist ausgelöst durch wirtschaftliche Interessen oder Konkurrenzdenken – täglich Menschenrechte verletzt. Während Umweltmediziner aufgrund der bisherigen Erkenntnisse alles daran setzen, den Betroffenen bestmöglich zu helfen, versuchen Psychiater ohne Fachkenntnisse  im Bereich Vergiftungen und aufgrund reiner Vermutungen, die Klientel für sich zu gewinnen.

Wie steht es um die Rechte eines MCS-Betroffenen? Wie wird er als Betroffener behandelt?
Die Krankheit wird immer noch zu wenig ernst genommen, oft auch in Arztpraxen und Spitälern. Medizinische Fachkräfte die MCS ignorieren, handeln fahrlässig und riskieren eine vorsätzliche Körperverletzung. Die Krankheit mit all ihren schweren Beeinträchtigungen wird von den Invalidenversicherungen nicht anerkannt, das ist unterlassene Hilfeleistung. Will der Patient sich selber schützen, tut dies kund und verhält sich so, dann wird er als nicht therapiewillig und psychisch krank abgestempelt, das ist Verleumdung und im schlimmsten Fall Rufmord.  Dieser Missstand bewirkt, dass der MCS-Betroffene obwohl vom Arbeitsamt als unvermittelbar eingestuft, keinen Anspruch auf Rente hat. Damit wird er aus gesundheitlichen Gründen an den Rand der Gesellschaft gedrängt, was Diskriminierung bedeutet.

Als MCS-Betroffene ohne Vorurteile, die keine Meinung kategorisch ablehnt, alles was ihr an Therapien machbar scheint ausprobiert, seit Jahren versucht, trotz allem ein möglichst normales Leben zu führen und selbst noch den Lebensunterhalt zu bestreiten, würde ich mir wünschen, dass ALLE Faktoren berücksichtigt würden, die zu einer eventuellen Verbesserung der Lebenssituation von MCS-Betroffenen führen, und dass in einer Zusammenarbeit von Behörden, Ärzten und Politikern in Übereinstimmung Lösungen gefunden werden.
Dafür aber müsste zuerst passieren, was bis anhin nicht passiert ist, nämlich die Anerkennung und das längst überfällige Ernst nehmen der Krankheit MCS nach WHO-Klassifikation auch in der Schweiz.

Bei all den Streitereien und dem Kampf unter Medizinern, Wissenschaftlern und Politikern muss endlich begriffen werden, dass es bei dieser Krankheit um Menschen geht. Menschen, die eine Würde und Rechte haben, so dass hier generell gelten sollte: „Im Zweifel für den Patienten, das heisst, unvoreingenommene Anhörung desselben und ernsthaftes Interesse an der Sache, damit Erkenntnis Wissen schafft“.

Autor:  iceblue

***

Zuguterletzt noch ein paar Gedanken/Zitate zum Thema Wissenschaft:

„Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind“. (Aristoteles)

Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man es einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine Weise. (Wernher von Braun)

Die Erfindungen für Menschen werden unterdrückt, die Erfindungen gegen sie gefördert. (Berthold Brecht)

Nicht wenige Experten sehen ihre Daseinsberechtigung darin, einen relativ einfachen Sachverhalt unendlich zu komplizieren. (Pierre Elliott Trudeau)

Advertisements