Schwerer Stand im leichten Spiel

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Seit Jahren leide ich an schwerem Weichteilrheuma (Fibromyalgie). Kein Arzt hat mir dazu gesagt, dass ich psychische Probleme hätte. Allerdings hat man mir geraten, mich nicht zu stressen, mir Wellness zu gönnen, Diät zu halten, alles zu vermeiden, was Stress auslöst und gut für mich zu sorgen, um die Schmerzen in Grenzen zu halten.

Seit Jahren leide ich auch an MCS, einer multiplen Chemikalienunverträglichkeit. Bis jetzt hatte ich das Glück, dass ich einen Arzt hatte, der sich durch die medizinischen Fachberichte von Umweltmedizinern gelesen hat und mir geglaubt hat, und auch dass ich durch diese Erkrankungen ein sehr stressiges Leben führe und so meinen Lebensunterhalt kaum noch in einer Form bestreiten würde können, den man als menschenwürdig bezeichnen könnte. Dieser hat mir dann vor 4 Jahren angeraten, einen Antrag an die Invalidenversicherung zu stellen. Da weder die Fibromyalgie noch die MCS-Erkrankung in der Schweiz auf der Liste der „leistungsberechtigen“ Krankheiten im Sinne der Sozialversicherung stehen, wurde der Antrag vor 4 Jahren praktisch abgelehnt. Das einzige was man mir bieten hätte wollen, wäre eine Zusatzausbildung, die ich neben meinen drei Jobs noch hätte bewältigen sollen. Das wäre nochmals zusätzlicher Stress gewesen, was es auch war, und deshalb habe ich nach einer Zeit von 2 Monaten, den Kurs gekündigt.

Nun denn. Meine Ärzte sind mittlerweile durch die Verfahren der Sozialversicherungsgesellschaft dermassen weich geklopft und an ihre Grenzen angelangt, dass sie sich überfordert fühlen, mir bezüglich einem neuerlichen Antrag, den Rücken zu stärken.  Sie wollen nicht mehr bei der Wahrheit bleiben, die die Einschränkungen aufzuzeigen, die diese Erkrankungen mit sich bringen, so dass es unmöglich ist, damit noch eine normale Arbeit zu bekommen. Vom Arbeitsamt bin ich als nicht vermittelbar eingestuft, weil ich aufgrund der Duftstoffunverträglichkeit nicht einmal fähig bin, die Auflagen zu erfüllen, die eine Unterstützung des Arbeitsamtes mit sich bringen.

Dass mich der ständige Stress, den meine Behinderung im Existenzkampf auslöst, völlig ausgebrannt hat und mich ans Ende meiner körperlichen Kräfte gebracht hat, sehen die Menschen um mich herum seit langem schon. Die Ärzte aber sehen diesbezüglich keinen Handlungsbedarf. Burnout sei ja auch nur eine Modekrankheit.

Es wird mir einzig empfohlen, bei einem neuerlichen Antrag auf „psychisch“ zu machen. Damit wäre es ein leichtes, zu einer Rente zu kommen und dafür müsste ich einfach längere Zeit durch die Mühlen der Psychiatrie und dann würde das mit der Rente schon klappen, heisst es. Denn die Sozialversicherung bräuchte Daten und Fakten und weil Daten und Fakten (bezüglich Blutbild) bei einer MCS-Erkrankung und auch bei der Fibromyalgie sehr schwer zu erbringen sind (Schmerzen durch entzündliche Prozesse und massive Einschränkungen genügen nicht), käme man am ehesten zu Daten und Fakten über ein psychiatrisches Gutachten und dabei könnte man sich dann ja auch leicht kooperativ zeigen, heisst es.

Ein seltsames Spiel, dass da in der Medizin und den Sozialversicherungen gespielt wird. Aber es scheint ein leichtes zu sein. Alle die da nicht mitspielen wollen, die nur zu ihrem Recht kommen wollen, die haben in diesem leichten Spiel einen schweren Stand. Wenn sie sich entschliessen könnten, auf diese ungerechten Krankheiten des Systems aggressiv zu reagieren, dann wären sie gnz sicher spieltauglich im Sinne der Sozialversicherungsgesetze, aber auch gebrandmarkt.

Ich kann nur raten, auf dem richtigen und wahrheitsgetreuen Weg zu bleiben, sich nicht ärgern zu lassen, auch wenn es manchmal zum Haare raufen ist. Denn ist der Weg noch so schwer, nur die Wahrheit schafft wahre Veränderungen. Lügen halten das System aufrecht!

 

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