Ich rauche, also bin ich …?

Jeder Raucher kennt das. Hat er Beschwerden mit dem Hals und den Lungen, z.B. ständiges Husten und Räuspern, wird im dringend empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören. Meldet er sich in der Praxis, weil ihn Entzündungen der Mundschleimhaut quälen, wird abermals auf den Nikotinkonsum hingewiesen. Die schädlichen Inhaltsstoffe könnten Mundhöhlenkrebs auslösen. Rauchen wird auch für Magen- und Schleimhautentzündungen verantwortlich gemacht. Rauchen erhöht den Blutdruck, ist verantwortlich für Herz- und Kreislauferkrankungen, Rauchen „frisst“ das Kalzium im Körper, Rauchen lässt die Haut altern, Rauchen schadet dem ungeborenen Kind, Rauchen macht impotent und, und, und … Was Rauchen noch alles für Schäden anrichtet, darauf wird auf jeder Zigarettenpackung in grossen Lettern oft sogar mit Bildern aufmerksam gemacht. Als Raucher und Nichtraucher sollte man wissen, dass die Zigaretten nicht alleine aus Tabak bestehen, sondern aus unzähligen Inhaltsstoffen, die dem Tabak noch zugefügt werden. Man raucht einen Chemiecocktail und dieser verstärkt die Schädlichkeit des Nikotins.

Der Raucher wird aufgrund seiner Beschwerden mehrfach und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass das Rauchen aufgrund der schädlichen Inhaltsstoffe seine Gesundheit gefährdet. Er wird ernst genommen. Man „kümmert“ sich um seine Gesundheit. Man rät ihm, Antiraucherseminare aufzusuchen oder Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung anzuwenden. Egal wie. Es wird einem immer wieder empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören, weil dies Auslöser ist für viele gesundheitlichen Probleme. Niemand käme auf die Idee, einen Raucher aufgrund seiner Beschwerden als eingebildeten Kranken anzusehen und ihn zum Psychiater zu schicken.

Jeder MCS-Betroffene kennt das. Wenn er mit genau den gleichen Beschwerden zum Arzt kommt und nicht raucht, dann hat er ein Problem. Wenn er nämlich erklärt, dass er auf Textilien, Möbel, Farben, Lacke, Parfüm, Weichspüler, Waschmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel usw. mit ständigem Husten, Räuspern, Brennen der Schleimhäute, Magen- und Darmbeschwerden, Kreislaufbeschwerden, hohem Blutdruck usw. reagiert, dann ist da nichts, was man ihm „abgewöhnen“ könnte, damit es ihm wieder besser geht. Auf keinem dieser Produkte steht nämlich, dass sie die Gesundheit gefährden. Es gibt keine Lobby, die sich dafür einsetzt, dass auf den Dingen des täglichen Gebrauchs Verpackungswarnungen stehen. Unsere Mediziner sollten es zwar wissen, scheinen es aber aus irgend einem Grund zu ignorieren. Gut möglich, dass sie von der Pharma- und Chemieindustrie so abhängig sind, dass sie sich nicht getrauen, die Chemikalien, die in den Produkten stecken die wir tagtäglich verwenden, anzuprangern, obwohl sie schwere körperliche Schäden verursachen. Kein MCS-Betroffener hat von einem „normalen“ Mediziner jemals gehört, dass er all diese Produkte meiden soll, wenn er mit solchen Beschwerden darauf reagiert. Stattdessen wird den Patienten ein psychisches Manko unterstellt. Hysterie, Ökochonder, Spinner, Neurotiker … unter diesen Bezeichnungen werden MCS-Betroffene üblicherweise in den Arztpraxen gehandelt.

(Umweltmediziner allerdings wissen schon längst, dass es diese Krankheit gibt und raten eindringlich, solche Auslöser zu meiden. Leider gibt es davon noch zuwenige und oft laufen auch sie Gefahr, genau wie ihre Patienten, nicht ernst genommen zu werden)

Dass es paradox ist, den Menschen vor dem Rauchen zu warnen und vor anderen schädlichen Chemikalien die Augen zu verschliessen, muss ich hier nicht erwähnen. Ein rauchender MCS-Betroffener tut gut daran, nicht mit dem Rauchen aufzuhören, denn die Chancen mit all seinen körperlichen Beschwerden ernst genommen zu werden, erhöhen sich dadurch massiv. Er sollte einfach nicht erwähnen, dass er auf Chemikalien mit schweren körperlichen Symptomen reagiert. Das könnte ihn den Kopf kosten, seinem Ruf schaden und ihn früher oder später in der psychiatrischen Klinik landen lassen.

(Wer in diesem Artikel Zynismus entdeckt, hat Recht. Aber es ist genau so zynisch, MCS-Kranke trotz dem Wissen um all die Schadstoffe mit denen wir in unserem Alltag konfrontiert werden, als psychisch kranke Simulanten abzustempeln.)

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